Warum die Industrie den „Tag der Steuerleistung“ ausgerufen hat

Aktuelle IV-Berechnung zeigen, wie stark umverteilend das heimische Steuersystem wirkt.  Statt alter und neuer Belastungsideen plädiert die IV für eine Entlastung des Faktors Arbeit.

Owohl in Österreich zuletzt mehr als ein Drittel der Wirtschaftsleistung oder rund 130 Milliarden Euro in den Sozialbereich flossen, ertönt regelmäßig der Ruf nach noch mehr Umverteilung und zusätzlichen Abgaben. Auch soll das Steuersystem ungerecht sein, heißt es. Doch stimmt das überhaupt?

IV-Experten haben die aktuelle Steuerstatistik unter die Lupe genommen. Dabei wird schnell ersichtlich, wie stark in Österreich tat-sächlich umverteilt wird: Bei der Einkommensteuer trägt das einkommensstärkste Fünftel mehr als drei Viertel des Steueraufkommens und leistet damit einen überproportionalen Beitrag zur Finanzierung des Gemeinwohls.

 Bewusstsein für Leistung 
Um diese Leistungen zu würdigen, hat die IV am 6. April den „Tag der Steuerleistung“ aus-gerufen. Bis zu diesem Tag haben die ein-kommensstärkeren 20 Prozent von Jahres-beginn weg genauso viel Einkommensteuer bezahlt wie der Durchschnitt im gesamten Jahr.

Wir möchten Bewusstsein dafür schaffen, dass eine relativ kleine Gruppe von Menschen den Großteil der Steuerlast schultert

Ohne dem einkommensstärksten Fünftel der Bevölkerung würden dem Staat bereits ab April de facto die Einnahmen aus der Einkom-mensteuer ausgehen. Dabei geht es um Men-schen mit einem Bruttomonatsgehalt von mehr als 3.400 Euro. Die Rede ist also etwa von einer Fachkraft in der Industrie, einem AHS-Lehrer oder einer Allgemeinmedizine-rin. Zudem belegt die Statistik eindrucksvoll, wie stark umverteilend das Steuersystem in Österreich funktioniert: Betrachtet man die Einkommen inklusive Transferzahlungen des Staates, beziehen die „unteren“ 55 Prozent der Steuerzahler rund viermal so viel aus dem Steuertopf wie sie einzahlen.

 Sorgsamer Umgang mit Steuergeldern 

Für die Industrie geht es mit dem „Tag der Steuerleistung“ keinesfalls darum, verschie-dene Einkommensgruppen gegeneinander auszuspielen. „Vielmehr muss uns allen die Realität unseres progressiven Einkommensteuersystems bewusst sein“, so Neumayer. Daher seien ständig wiederkehrende Neiddebatten oder der Ruf nach weiterer Umverteilung „eine klare Themenverfehlung“.
Wichtiger wäre eine sachliche Diskussion darüber, wie der Staat seine immensen Steuereinnahmen möglichst treffsicher und wirkungsorientiert einsetzen kann. Der IV-Generalsekretär bringt die Position der Industrie auf den Punkt: „Gerade in der ak-tuellen Situation sollten Mittel – die durch Menschen und Unternehmen hart erwirt-schaftet werden – nicht mit der Gießkanne verteilt werden.“ Statt über neue Belastungen für das Höchststeuerland Österreich zu sinnieren, braucht es eine Entlastung des Faktors Arbeit. Nur so kann Beschäftigung weiter aufgebaut werden, damit die Ein-kommensteuerlast nicht nur auf den Schultern einiger weniger ruht.