Präsenzlehre ist durch nichts zu ersetzen

Wie das restliche Schuljahr noch gerettet werden kann und welche Lehren aus den vergangenen Monaten gezogen werden müssen, haben IV-Bildungsexperten analysiert.

Schulen zu, Schulen auf, Sommerschule, Herbst-Lockdowns, aus den Weihnachtsferien ins Distance Learning, dann Schichtbetrieb und nun eine Mutation, die zusehends überhandnimmt. Im April befand sich Ost-Österreich wieder im harten Lockdown mit Distance Learning, in Restösterreich wurde der Schichtbetrieb fortgeführt. Perspektive? Ungewiss. Es ist anzunehmen, dass die epidemiologische Lage wohl auch bis auf Weiteres keine Verschnaufpause oder auch nur Planungssicherheit im Bildungsbereich zulassen wird. Nach einem Jahr Pandemie liegen die Nerven der Betroffenen blank, der volkswirtschaftliche Schaden von Schulschließungen ist erwiesenermaßen enorm und die Zunahme psychologischer Probleme alarmierend.

Wichtige Initiativen gesetzt

Gleichzeitig ist – nicht zuletzt auf Initiative der Industriellenvereinigung – in den vergangenen Monaten Positives gelungen: Ein „Rettungsschirm Bildung“ finanziert mit 200 Mio. Euro zusätzliche Förderstunden zum Aufholen entstandener Bildungsdefizite, Summer Schools werden quantitativ wie qualitativ ausgebaut und der Notenschluss verschoben, um das Schuljahr voll auszunützen. Infrastrukturelle Rahmenbedingungen (Stichwort: Endgeräte) wurden laufend verbessert und Pädagogen durch Fortbildungen beim Digi-Teaching unterstützt. Systematische Teststrategien ermöglichen (theoretisch) einen halbwegs geordneten Schichtbetrieb und ein Großteil des pädagogischen Personals an Schulen und Kindergärten wurde bereits geimpft.

Fest steht aber: Präsenzlehre ist durch nichts zu ersetzen. Für das verbleibende Sommersemester müssen daher weiterhin sämtliche Anstrengungen einem möglichst geregelten Bildungsbetrieb gelten. Mit der gleichen Intensität muss nun aber auch über den Sommer hinaus gedacht werden.

Erfahrungen aus Corona-Zeit systematisch aufarbeiten

Erstens: Die sogenannte Bildungsschere, bei der das „Zurücklassen“ schwächerer Kinder und Jugendlicher in Kauf genommen wird, gab es im österreichischen Schulsystem bereits vor Corona – mit einem weiteren Auseinandergehen ist daher zu rechnen. Bildungsdefizite müssen somit nicht nur unmittelbar aufgeholt werden, sondern künftig auch nach Kräften verhindert werden. Zweitens: Das Potenzial des pandemiebedingten „Kaltstarts“ im Bereich der digitalisierten (Aus-) Bildung muss nachhaltig genützt und institutionell verankert werden. Und nicht zuletzt drittens: Viele Problemfelder, aber auch Best Practices, rückten pandemiebedingt in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit: Das in vielen Texten bemühte „Brennglas“ dieser Pandemie kann nur dann wirklichen Nutzen bringen, wenn die Erfahrungen aus der Corona-Zeit systematisch aufgearbeitet werden. Wenn man zukünftig Entscheidungen für ein modernes Bildungssystem treffen will, ist das unumgänglich.