Gemeinsam in die Zukunft

Für einen starken Aufschwung braucht Österreich mehr Anpacker und weniger Anpatzer. Ein vernunftbasierter, sachlicher politischer Diskurs muss Teil der Normalität nach Corona sein.

Die Corona-Krise hat Menschen und Unternehmen in den vergangenen 16 Monaten alles abverlangt – und tut dies zum Teil immer noch. Trotzdem gibt es gute Gründe, mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken. Die Öffnungsschritte haben die Konsumlaune gestärkt und die Situation am Arbeitsmarkt verbessert. Der produzierende Sektor wird heuer mit fünf Prozent wachsen. Die Unternehmen glauben an die Zukunft und investieren wieder am Standort.

Die Verantwortungsrolle des servoindustriellen Sektors war und ist in dieser Situation eine doppelte: Auf der einen Seite haben die Industriebetriebe und ihre Partner auch in Lockdown-Zeiten für Wertschöpfung und Arbeitsplätze gesorgt. Gleichzeitig haben wir aktiv an der Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Weg aus der Krise mitgewirkt. Maßnahmen, wie die Investitionsprämie, die Kurzarbeit-Regelung oder der Ausbau der FH-Plätze für mehr digitales Know-how in Österreich, liefern nun entscheidende Impulse für einen starken, nachhaltigen Aufschwung. Dieser sollte jetzt im Mittelpunkt nicht nur des wirtschaftlichen, sondern auch des politischen Geschehens stehen.

Denn es kann nicht sein, dass in der Wirtschaft die Anpacker und in der Politik die Anpatzer den Ton angeben. Bei allem Verständnis für parteipolitische Notwendigkeiten und politisch hart geführte Auseinandersetzungen zwischen Opposition und Regierung und vice versa muss klar sein: Ständige Anzeigen, Anklagen und „Schmuddelkampagnen“ führen die politische Kultur ins Abseits. Permanente Skandalisierung unterminiert das Vertrauen in eine erfolgreiche Krisenbewältigung – und in den Standort. Gerade für eine Exportnation wie Österreich ist die Außenwahrnehmung ein relevanter Standortfaktor.

Jetzt sollte und muss gemeinsame Zuversicht im Mittelpunkt stehen, um Österreich nach der Krise wieder nach vorn zu bringen. Der Comeback-Plan, der Wiederaufbauplan für Österreich oder die angekündigte Standortstrategie der Bundesregierung setzen durchaus die richtigen Schwerpunkte, die aber nun konsequent umgesetzt werden müssen. Die Industriellenvereinigung bringt sich hier mit dem Know-how und der Erfahrung ihrer Mitgliedunternehmen, die in die IV-Industriestrategie eingeflossen sind, aktiv ein. Zugleich müssen wir die großen Herausforderungen unserer Zeit – Digitalisierung und Energiewende – ideologiefrei und richtig gestalten. Davon hängen Arbeitsplätze und Wohlstand von morgen ab.

Das alles braucht einen vernunftbasierten, sachlichen politischen Diskurs. Auch er muss Teil der gemeinsamen Normalität nach Corona sein, damit Aufschwung, Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Land wieder normal sind. 

Christoph Neumayer
Foto: IV/Michalski

Ihr Christoph Neumayer, IV-Generalsekretär