iv-positionen

Kein Ende der Kostenspirale

Gerhard Poppe, Vorstandsvorsitzender bei Walstead Leykamdruck in Neudörfl spricht mit den iv-positionen über Rohstoffknappheit bei Papier, explodierende Preise bei Energie und Vormaterialien, wichtige Rahmenbedingungen für die systemrelevante Industrie und die Zukunft des Print-Werbemarktes.

IV: Steigende Papier- und Rohstoffpreise haben schon bisher die Druckereibranche sehr belastet. Jetzt schnellen die Energiepreise durch die Decke, Gas droht ganz auszubleiben. Wie geht es Ihrem Unternehmen, was sind die Zukunftsszenarien?

Die enormen Papierpreissteigerungen von zum Teil mehr als 50 Prozent im Jahr 2021 konnten wir mit Verkaufspreissteigerungen und gemeinsamen Maßnahmen mit unseren Kunden noch größtenteils kompensieren.  Auch im Jahr 2022 ist unsere Branche massiv betroffen von einer bislang ungekannten Papierknappheit, unvorhersehbaren Preisentwicklungen, unverbindlichen Lieferterminen und langen Lieferfristen. Wir sind merklich von der Situation auf den Papiermärkten beeinträchtigt. Wir erwarten eine dauerhafte Mengenreduzierung durch die Abwanderung von Printaufträgen in alternative Werbeformen.

Die sprunghaft angestiegenen Erdgaspreise und die hohen Strompreise verteuern unmittelbar die Herstellung von Druckprodukten. Außerdem haben weitere Lieferanten drastische Preiserhöhungen für wichtige Materialen, wie zum Beispiel Druckfarben und Druckplatten angekündigt und mit einer sehr kurzen Vorlaufzeit umgesetzt. Ein Ende der Kostenspirale ist hierbei leider noch nicht absehbar.

In keinem der Bereiche wird aktuell mit einer kurzfristigen Verbesserung der Lage gerechnet. Zunächst muss eher von einer Verschärfung der Situation ausgegangen werden. Wir rechnen damit, dass sich die Auslastung frühestens im Spätherbst auf deutlich niedrigerem Niveau einpendeln wird.

Die gesamte Konstellation bringt derzeit eine Reihe von Problemen. Wir versuchen noch schneller und flexibler auf die immer neuen Krisen zu reagieren und sprechen derzeit mit unseren Kunden darüber, die Kostendeckung zu verbessern. Wir sind gezwungen, einen Energiekosten-Zuschlag zu verrechnen, um die Fortführung der Produktion in einer Situation zu gewährleisten, in der die Energiekosten in Europa in den letzten Wochen sehr schnell auf ein nicht mehr tragbares Niveau gestiegen sind.

Wir passen die Kapazität laufend an die Nachfrage an. Damit ist auch das temporäre Abstellen von Druck- und Endfertigungsmaschinen umfasst.

 

IV: Welche Rahmenbedingungen würden Ihnen helfen?

Das vor kurzem von der Bundesregierung präsentierte Paket ist angesichts der Situation nur ein Tropfen auf den heißen Stein und geht an der Realität von industriellen Druckunternehmen völlig vorbei. Wir sind in allen Werken auf Grund der zum Einsatz kommenden Drucktechnologie von der Belieferung mit Gas abhängig. Biogas oder LNG Gas bieten für uns auf Grund der Kosten, Technologie und der benötigten Menge keine ökonomisch sinnvolle Alternative.

Wir sind auf den Energieträger Gas angewiesen. Uns würden beispielsweise eine bundesweite Gasmengenbevorratung oder eine temporäre Preisobergrenze helfen. Selbstverständlich halten wir auch die vom IV-Präsidenten vorgeschlagene Strompreiskostenkompensation für eine zweckmäßige Maßnahme.

Wenn sich die Produktion aufgrund der hohen Energie- und Rohstoffkosten nicht mehr lohnt und Maschinen abgeschaltet werden, drohen wichtige Lieferketten zu zerreißen. Demgegenüber ist die uneingeschränkte Bedeutung von Druckprodukten nach wie vor gegeben.

In der Corona- Pandemie hat die Politik erkannt, dass die österreichische Industrie „systemrelevant“ ist. Diese Einsicht gilt auch in der aktuellen Krise. Das heißt, die Verlängerung der Corona-Kurzarbeit wäre angesichts der zu erwartenden auf tieferem Niveau schwankenden Auslastung ebenfalls ein sehr gutes Instrument.

 

IV: Wie schaut der Print-Werbemarkt in Österreich aus?

Print sorgt für Umsatz, Einschaltquoten, Käufer, Wähler, Gäste, Marktanteile, Mieter, Nutzer und Besucher. Qualität und Geschwindigkeit der hiesigen Produktionen sind auf höchstem Niveau – von Auflage Eins im Digitaldruck bis zur Millionenauflage im Offsetdruck.

Die ersten Zahlen der Werbebilanz 2022 zeigten zumindest im Hinblick auf den ersten Werbemonat einen positiven Trend; insgesamt sprach man in der Branche noch Mitte Februar von einer positiven Prognose.

Wir gehen allerdings davon aus, dass sich die Werbezahlen 2022 mit hoher Wahrscheinlichkeit unter dem Krisenjahr 2020 einordnen werden, wenngleich sich die Werbeausgaben auf Grund der steigenden Kosten etwas besser entwickeln werden.