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Wer den Energiespeicher und leistungsfähige Netze hat, hat die Macht!

Gastkommentar Max Stefanitsch, Geschäftsführer und Chefredakteur BVZ

Die Corona-Pandemie ist noch gar nicht überwunden, schon ist mit dem Ukraine-Krieg ganz Europa im nächsten Krisenmodus. Die Auswirkungen sind fatal. Vor allem die Tatsache, dass auf europäischen Boden in einer militärischen Auseinandersetzung unschuldige Kinder sterben müssen, ist eine echte Schande und mit Worten nicht zu beschreiben. Was die wirtschaftlichen Folgen betrifft, ist eines jetzt schon klar: Bezahlen werden die Folgen des Krieges die Bürgerinnen und Bürger – angefangen vom Arbeiter und Angestellten bis hin zum Unternehmer und Industriellen. Die hohe Inflationsrate, die teuren Lebensmittel, der unfassbar hohe Benzinpreis sowie die gestiegenen Energiekosten machen für viele das Leben nicht mehr leistbar.

Gerade das Energiethema macht auch der gesamten Industrie schwer zu schaffen. Verständlich, dass sich hier die gesamte Branche gegen ein Gas-Embargo gegen Russland stemmt. Immerhin verbraucht die Industrie 40 Prozent des gesamten Bedarfs. Wenn hier der russische Gashahn abgedreht wird, stehen auch im Burgenland viele Maschinen still. Auch wenn die Amerikaner jetzt schon mit ihren Fracking-Gas Booten unterwegs nach Europa sind, wäre über Wochen vielerorts keine Produktion möglich. Was wiederum zu weiteren Verteuerungen, Engpässen und vermehrter Arbeitslosigkeit führen würde.   

Burgenlands Landeshauptmann will das Land bis 2030 energie- und preisautark machen. Dass er zuletzt auch einen Energiefonds gegründet hat, der die Besteuerung von industrieller Stromerzeugung vorsieht, sorgt bei den Unternehmen für Verunsicherung. Zwar wird der betriebliche Stromverbrauch nicht besteuert, dennoch fürchten die ohnehin krisengeschüttelten Betriebe weitere finanzielle Belastungen. Zudem ist die Besteuerung von „grüner“ Energie nicht gerade ein großer Anreiz, um in ebendiese zu investieren.

Deshalb muss die Debatte zumindest zweidimensional geführt werden: Zum einen gibt es keinen Zweifel daran, dass alles in Richtung Erneuerbarer Energie oder alternativen Energiequelle geht und wir uns so rasch wie möglich aus allen Abhängigkeiten diverser Machthaber und Spekulanten befreien müssen. Zum anderen muss aber auch ganz klar ein Übergangsszenario entwickelt werden. Denn bei aller Sympathie für die Kraft der Sonne und des Windes: Das Hauptproblem liegt derzeit in den überschaubaren Speicherleistungen und vor allem an den mangelnden Netzen, welche den Strom weiterleiten.  Deshalb braucht man nach wie vor fossile Brennstoffe als Ausgleich, um jederzeit Energie zu Verfügung zu haben. Erst wenn die Erneuerbare Energie in genügenden Netzkapazitäten geleitet und in riesigen Mengen gespeichert werden kann, hat Europa die Macht, sich von der russischen (oder amerikanischen) Gas-Geiselhaft zu befreien.