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2022: Ernst aber nicht hoffnungslos

Die IV Burgenland fragte nach, welche Themen die Industrie im neuen Jahr am meisten Kreativität, Kraft, Geld und Zeit kosten werden. Wie die Unternehmer trotz der vielen Herausforderungen eine optimistische Stimmung bei Ihren Mitarbeitern erhalten und welche Wünsche sie an die Regierung haben, das lesen Sie hier.

Marc Thamm, VOSSEN GmbH & Co. KG 

Man kann das Jahr 2022 als den „perfekten Sturm“ bezeichnen. Die Summe der Herausforderungen ist in meinem Berufsleben bisher nicht vergleichbar. Angefangen von einer Explosion der Energie- und Rohstoffpreise, verbunden mit einer starken Inflation und einhergehendem Kaufkraftverlust der Konsumenten, über die pandemische Situation bis hin zum Fachkräftemangel der sich zu einem Mitarbeitermangel weiterentwickelt hat. Die politischen Rahmenbedingungen im Bereich Energie und Arbeitskraft sind denkbar schlecht. Im europäischen Vergleich sind die Energiekosten in Österreich sehr hoch und das Finden von Mitarbeitern wird durch eine restriktive Zuwanderungspolitik weiterhin erschwert

Der Optimismus unserer Mitarbeiter ist wahrlich auf eine harte Probe gestellt! Um die Produktions- und Lieferfähigkeit sicherzustellen, haben wir eine strikte Schichtentrennung in allen Produktions- und Logistikbereichen eingeführt. Dies führt zwangsweise zu reduzierter Effizienz und verlangsamt interne Abläufe. Wir bieten interne Testmöglichkeiten an und propagieren die Impfung.

Vossen ist in der Vergangenheit immer an Herausforderungen gewachsen. Der Zusammenhalt im Unternehmen und der Wille, dieses besondere Jahr zu meistern, ist extrem hoch und bei allen Kollegen spürbar. Als Team werden wir auch die Unwägbarkeiten in dieser unsicheren Zeit in ein positives Ergebnis für Vossen wandeln!


Matthias Unger, Unger Stahlbau GmbH

Für mich ist Stabilität das übergeordnete Ziel für 2022. Darunter verstehe ich u.a. die Wirtschaft am Laufen und Betriebe offen zu halten, sowie gesunde Marktmechanismen wirken zu lassen. Stabile Preise für Rohstoffe und Energie sind hier auch zu erwähnen.

Um die Gesundheit unserer Mitarbeiter aufrecht zu erhalten, setzen wir auf geeignete Schutzmaßnahmen und – wie auch schon vor der Pandemie – auf Eigenverantwortung.  

Für 2022 haben wir uns als Ziel gesetzt, wieder verstärkt gemeinsame Aktivitäten als Team durchzuführen, um nach Monaten der Isolation das Wir-Gefühl aktiv leben zu können.

In einigen Bereichen herrscht Unsicherheit. Wer jetzt besonnen und rational agiert, erkennt jetzt eine Vielzahl von Chancen für positive Veränderungen. Mein Ziel für 2022 ist es Stabilität zu schaffen und uns nachhaltig weiterzuentwickeln.

 

Wolfgang Pröll, Aptiv

2022 stehen bei Aptiv Aus- und Weiterbildung der MitarbeiterInnen, um sich den wachsenden Qualitätsansprüchen im Automotive-Bereich stellen zu können. 

Wir haben seit Beginn der COVID-19 Pandemie ein Schutzkonzept im Einsatz, welche die Gesundheit der MitarbeiterInnen zum Ziel hat. Information und Aufklärung in jeglicher Form sind unsere Bestrebung und werden von den MitarbeiterInnen gut angenommen und mitgetragen.

Das Wirtschaftsjahr 2022 steht für APTIV Großpetersdorf im Zeichen des weiteren Wachstums. Die dafür notwendigen Investitionen sind bereits geplant und mit dem Konzern abgestimmt. Persönlich werde ich das Umsetzen des Wachstumsplanes und die Gestaltung von sicheren Arbeitsbedingungen forcieren. Ein weiterer Schwerpunkt ist die nachhaltige Ausbildung von Fachkräften, um die Weichen für weitere erfolgreiche Jahre zu stellen.

 

Heidi Adelwöhrer, neudoerfler office systems

Die großen Themen 2022 sind die Veränderung der Arbeitswelt und Nachhaltigkeit. Aber ebenso die massive Materialpreissteigerungen, Versorgungsthemen und Auswirkungen der Corona Pandemie. Da Homeoffice ist zum neuen Arbeitsort geworden ist, setzt Neudoerfler auf einen Onlineshop für Homeoffice Möbel. Dem akuten Fachkräftemangel wollen wir mit Aus- und Weiterbildung und als attraktiver Arbeitgeber begegnen.

Erfreulicherweise werden Produkte aus Österreich, die nachhaltig produziert werden, immer mehr geschätzt. Um als Wirtschaftsstandort attraktiv und wettbewerbsfähig zu bleiben, ist aber auch eine Reduktion der Lohnnebenkosten notwendig.

Resilienz ist der Schlüssel zum Erfolg. Mit einem positiven Mindset lässt sich auch diese Pandemiezeit gut bewältigen. In der Krise hat sich gezeigt, wie stark das neudoerfler Team ist. Uns wirft nichts so schnell aus der Bahn.

2022 wird ein gutes Jahr! Covid wird sich im Laufe des Jahres zur Normalität entwickeln, sodass wir uns wieder die Hand geben oder auch umarmen können. Mit viel Vertrauen ins Unternehmen und in meine Mitarbeiter:innen starte ich optimistisch ins neue Jahr.

 

Gerhard Poppe, Walstead Leykam

Die Geschäftsentwicklung von Walstead Leykam wird wesentlich von den Print-Werbeausgaben und den Entwicklungen im Verlagswesen beeinflusst. Steigende Papier-, Rohstoff- und Energiepreise sowie hohe Logistik­kosten belasten unsere Branche zunehmend. Wir sind daher gezwungen, steigende Einkaufspreise an unsere Kunden weiterzugeben. Gleichzeitig versuchen wir unsere Kunden davon zu überzeugen, dass Print-Werbung enorme Vorzüge bietet und deshalb auch ein fairer Marktwert gerechtfertigt ist. Meine Erwartung an die Politik ist, dass sie die Belastung der Unternehmen durch Sozialabgaben begrenzt und die Werbefreiheit gewährleistet. Weiters erwarte ich mir eine nachhaltige Umweltpolitik, die die betrieblichen Belange nicht ins Abseits stellt.

Für unsere Mitarbeiter haben wir ein konzernweites Covid-19 Präventionskonzept entwickelt und versuchen, mit intensiver Information in unseren Betrieben, den Präventionsgedanken weiter zu verstärken.

Ich erwarte ein weiteres herausforderndes Geschäftsjahr und vertraue auf mein breit aufgestelltes Managementteam bei Walstead Leykam Druck.


Beate Kälz, Sanochemia GmbH

Das Sourcing unserer Rohstoffe, Verpackungs- und Verbrauchsmaterialien wird 2022 eine unserer größten Herausforderungen, da uns bei fast allen Lieferanten Preissteigerungen, höhere Transportkosten und längere Lieferzeiten angekündigt werden. Auf der anderen Seite erwarten unsere Kunden weiterhin kompetitive Preise und unverändert schnelle Lieferungen und keine Änderung in den Logistikkosten.

Durch die Krise wurde uns gespiegelt, was passieren kann, wenn wir Rohstoffe, Wirkstoffe und Arzneimittel ausschließlich aus Asien beziehen. Ich wünsche mir, dass die europäische Industrie gemeinsam mit der Politik Wege findet, die Versorgungssicherheit von Arzneimitteln intereuropäisch zu gewährleisten. 

Als Pharmazeutischer Produktionsbetrieb sind wir gewohnt Masken zu tragen und Regeln einzuhalten. Durch die konsequente Einhaltung unseres Corona Konzepts und dem zusätzlichen Angebot betrieblicher Testungen ist es uns bisher gelungen, in jeder Phase der Pandemie den Produktionsbetrieb aufrecht zu erhalten. Wir hoffen, dass es weiterhin so bleibt und freuen uns, mit unserer Verpackung von PCR Tests in der Krise einen relevanten Beitrag zur Krisenbewältigung leisten zu dürfen.

Ich erwarte ein herausforderndes und spannendes Jahr 2022 mit neuen, innovativen Projekten und Produktimplementierungen. Jede Krise ist auch eine Chance, weil sie uns zwingt, neue Problemlösungsstrategien anzuwenden und kreativ zu werden.

Den herrschenden Unsicherheiten stelle ich mich, indem ich sie risikobasiert analysiere und mich dann für einen Weg entscheide, damit umzugehen, sollten sie eintreffen. Danach kann ich ruhig schlafen.

 

Hannes Marchhart, Marchhart GmbH

Eines der zentralen Probleme, die wir derzeit neben der Pandemie bewältigen müssen, ist die Bewahrung der Lieferketten. Wo wir früher, ohne viel nachzudenken, Vormaterial mit Lieferzeit von einigen Tagen hatten, müssen wir derzeit oft Monate im Voraus bestellen. Preise gelten oft nur tagesaktuell mit Schwankungsbreiten jenseits der Inflationsrate, was eine Angebotslegung und somit auch eine Budgeterstellung unmöglich macht.

Mein Wunsch an die Politik ist es, dass demokratische Prozesse zivilisiert und faktenbasiert ablaufen. Untergriffe und Inszenierungen verhindern nur, dass nötige Entscheidungen getroffen werden.

Wir haben im letzten Jahr sehr viel in neue Maschinen und Anlagen investiert, das Unternehmen neu strukturiert. Das war in dieser schwierigen Zeit auch für unsere Mitarbeiter ein positives Signal, dass sich das Unternehmen weiterentwickelt und sie dadurch auch einen modernen und sicheren Arbeitsplatz mit Perspektive haben.

Gerade die vergangenen Jahre lehren uns, dass unser wichtigstes Gut die eigene Gesundheit ist. Dies wünsche ich mir für all meine Mitarbeiter, denn nur mit ihnen können wir den noch unbekannten Herausforderungen begegnen. 

 

Thomas Meisinger, Hella Fahrzeugteile Austria GmbH

Die größte Herausforderung derzeit ist es, dass wir die globale Verunsicherung hinsichtlich COVID, den globalen Lieferketten und die drohende kriegerische Auseinandersetzung im EU nahen Raum wieder stabilisieren können. Die Mitwirkung der österreichischen Politik bei diesen Themen ist hier ein wichtiges Element.                                    Was die Bewältigung der Pandemie betrifft, versuchen wir hier die laufenden Änderungen der diversen Verordnungen soweit transparent unseren Mitarbeitern bereitzustellen und zu erklären. Weiters haben wir seit Monaten immer montags einen betrieblichen COVID Antigentest auf freiwilliger Basis, welcher sehr gut angenommen wird. Wir bemühen uns zu erklären, wie wichtig die getroffenen Maßnahmen für jeden Einzelnen und das gesamte Kollegium sind. 

Persönlich würde mich sehr freuen, wenn wir die globale Verunsicherung in Summe schnell bewältigen könnten und unseren Blick wieder gemeinsam in die Zukunft richten können.