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Kreislaufwirtschaft muss wirtschaftlich erfolgreich sein

Drastische Senkung von Materialverbrauch nicht realistisch; Transformation greift in alle Lebensbereiche ein; Kreislaufwirtschaft ist Querschnittsthema; angewandte Forschung, weniger Regulierung und Vermeidung; Österreich muss Role Model werden und Techniken exportieren; 

Das Bundesministerium für Umwelt erarbeitet derzeit eine Kreislaufwirtschaftsstrategie.

Der Arbeitskreis Ressourcenwirtschaft unter der Leitung von Christian Strasser, diskutierte diese Strategie mit dem IV Energie- und Umweltexperten Dieter Drexel. Dabei stießen durchaus plausible Ansätze der Strategie auf krasse Fehleinschätzungen der Durchführbarkeit von Zielen.

Tatsache ist, dass die Kreislaufwirtschaftsstrategie zeitgleich auf die Folgen der Pandemie und einer nie da gewesenen Lieferkettenproblematik samt einer enormen Preisentwicklung stößt!

Tatsache ist auch, dass sie quer durch alle Bereiche der Gesellschaft, als auch der Wirtschaft gehen muss!

„Trotz diesem katastrophalen Umfeld muss die Transformation gelingen. Ressourcenverbrauch und Klimawandel gehen Hand in Hand“, sieht Christian Strasser die Industrie klar am richtigen Weg. Allerdings „erfordern diese gewaltigen Themen eine gewisse ökonomische Verträglichkeit“.

Die Strategie spiegelt sehr stark den „Grean Deal“ wider. Das heißt, das Ziel ist eine Materialverbrauchssenkung von 25 Prozent bis 2030. „Das ist der am wenigsten plausible Teil der Strategie, das wird sich so kaum ausgehen“, so Dieter Drexel. Dieses Ziel fußt auf einen relativ hohen pro Kopf Materialverbrauch in Österreich. „Die Frage ist, ob diese Zahlen aussagekräftig sind. Rohstoff ist nämlich nicht gleich Rohstoff. Es braucht neue Geschäftsmodelle, Vermeidung und intelligente Lösungen, diese Rohstoffe wieder in den Kreislauf zu bringen“, bringt Drexel realistische Lösungsansätze. Und die Transformationsschwerpunkte werden alle Sektoren der Volkswirtschaft betreffen: Vom Bau, Elektro, Textil, Mobilität bis hin zur Biomasse.

Kreislaufwirtschaft ist Querschnittsthema

Die formulierten Kreislaufgrundsätze in der Strategie stellen dagegen ein tragfähiges Fundament dar:

Fragen wie, kann ich den Stoff intelligenter nutzen, brauch ich das Produkt überhaupt, kann ich das Produkt substituieren oder seine Lebenszeit verlängern. Und wie kann ich den Rohstoff wieder in einen Kreislauf führen, werden das Gelingen der Transformation entscheiden.

Neu in der Strategie ist, dass Kreislaufwirtschaft als F&E Thema und Querschnittsthema behandelt wird. „Bildung, Qualifizierung, Beschäftigung und Digitalisierung sind die Themen, die man dabei ins Auge fassen muss“, stimmt Dieter Drexel mit dem Entwurf der Strategie überein.

Politische Maßnahmen müssen sich vor allem am Rohstoffbedarf der Industrie orientieren, ein umfassendes Ressourcenmanagement muss die derzeitige Fokussierung auf Siedlungsabfälle ablösen.

 

Nachhaltigkeit fordert unglaubliche Investitionen

Kreislaufwirtschaft braucht gute Rahmenbedingungen. Voraussetzung sind angewandte Forschung und Förderungen. „Derzeit geht ein Großteil der Umweltförderung in den Klimaschutz, während Kreislaufwirtschaft eher ein Randthema ist.“, sieht Drexel durchaus Verbesserungspotential. Denn eine nachhaltige Gesellschaft wird enorme Investitionen benötigen, die auch keine bremsende Bürokratie verträgt.

Und Kreislaufwirtschaft muss wirtschaftlich erfolgreich sein und gesamtheitlich gesehen werden. „Nationale Initiativen allein werden den Planeten nicht ändern. Wir müssen mit unseren neuen Technologien Role Model werden und diese in die ganze Welt exportieren“.