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Große Krisen - Große Chancen

Es scheint, als käme die Welt seit über zwei Jahren nicht aus dem Krisenmodus heraus. Gerade damit beschäftigt, die Corona-Auswirkungen auszugleichen, sehen wir uns mit einem Krieg am europäischen Kontinent konfrontiert, der direkte, massive Auswirkungen vor allem auf die Industrie mit sich bringt. 

Der drohende Gaslieferstopp bewirkt aber nicht nur Angst und Schrecken vor dem völligen wirtschaftlichen Stillstand in Europa, verbunden mit Massenarbeitslosigkeit und Rezession. Sondern es zeigt sich gerade jetzt, dass die Industrie Treiber der Transformation ist. Man sucht nach technischen Alternativen und neuen Märkten, um vom russischen Gas mittelfristig loszukommen.

Unterbrochene Lieferketten hindern die Industrie, Aufträge abzuarbeiten. Viele Container mit Waren stecken irgendwo in asiatischen Häfen fest. Überall fehlt es an Rohstoffen und Komponenten. Die Preise schießen durch die Decke und können nicht immer an die Kunden weitergegeben werden. Die Industrie reagiert mit einem raschen Umbau der Lieferketten: Redesign, Recycling und Regionalisierung heißen die Schlagwörter.

Trotz aller Herausforderungen sucht die Industrie qualifiziertes Personal. Im Burgenland standen mit Ende März 234 offenen Lehrstellen (plus 84 Prozent) 102 Lehrstellensuchende gegenüber. Jetzt ist die beste Gelegenheit, die Lehre als attraktive Alternative zur oder mit Matura zu sehen. Und als Antwort auf die grundbildungstechnisch immer schwächer werdenden Absolventen sollte der längst überfällige Umbau des Schulsystems endlich in die Gänge kommen. Das geht von einer qualitätsvollen Elementarbildung über eine solide Allgemeinbildung mit sozialen und individuellen Kompetenzen, Perspektivenvielfalt und modernen Inhalten (u.a. MINT, Wirtschaftsbildung), bis hin zu mehr Praxisorientierung und Verflechtung arbeitsmarktrelevanter Themen in den Lehrinhalten der Schulen.

Die Inflation weist die höchste Dynamik seit rund 40 Jahren auf. Zugleich sagen Berechnungen, soll auch das BIP-Wachstum in einer ZweiJahres-Betrachtung so kräftig ausfallen, wie seit knapp einem halben Jahrhundert nicht mehr. Die Krisen bieten also auch große Chancen, die wir nutzen müssen. Die Innovationskraft der Industrie braucht dazu die richtigen Rahmenbedingungen der Politik und – akut – Entlastungspakete, um wieder durchatmen zu können. Die alte Umverteilungskiste, das Gießkannensystem und überzogene Lohnforderungen werden uns nicht weiterbringen.