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IV Burgenland: 40 Jahre und kein bisschen leise

Die IV Burgenland gab einen Ausblick auf die wirtschaftliche und technologische Zukunft des Bundeslandes, forderte die Stärkung der technologischen Hotspots und warnte vor einer Abwanderung und Überalterung der Bevölkerung.

Jubiläen bieten immer einen Anlass, zurückzuschauen. Aber noch wichtiger ist der Ausblick in die nähere Zukunft.

Und so konnten die über 160 Gäste bei der 40 - Jahrfeier der IV Burgenland in der Orangerie in Eisenstadt Wissenswertes über die Gründungsgeschichte der Interessenvertretung erfahren.

Der Schwerpunkt aber lag in der wirtschaftlichen und technologischen Zukunft der Industrie im Burgenland und den technologischen Hotspots.

Junge Menschen im Land halten!

„Das Burgenland hatte über Jahre den Ruf eines Auspendlerlandes, was ihm auch relativ hohe Einkommen bescherte. Jetzt allerdings muss das Bundesland trachten, nicht zur Seniorenresidenz zu werden“, so der Befund vom Chefökonomen der Industriellenvereinigung, Christian Helmenstein. Grund zu dieser Sorge gibt die jüngste Economica Studie „100 Jahre Burgenland bei Österreich & 40 Jahre IV Burgenland“, erstellt im Auftrag der IV Burgenland und der Wirtschaftsagentur Burgenland.

Diese zeigt nämlich ein Bevölkerungsszenario bis 2100, demzufolge die Zahl der Einwohner/Einwohnerinnen in der Altersgruppe der über 65-jährigen um 84 Prozent zunehmen wird. Die Gruppe der Erwerbstätigen nimmt hingegen voraussichtlich sogar um 7,1 Prozent ab, während die Gruppe der unter 20-jährigen nur um rund 5.000 Personen oder 9,2 Prozent wachsen wird.

„Es braucht also Perspektiven wie Kinderbetreuungseinrichtungen, optimale Infrastruktur, Breitbandverfügbarkeit, Bildungs- und Freizeitangebote, um junge Menschen im Lande zu halten“, appelliert Helmenstein an die Politik, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, um der Abwanderung und Überalterung der Bevölkerung entgegenzuwirken.

Bei der Wirtschaftsleistung hat sich das Burgenland erfolgreich an den ökonomischen Österreichschnitt herangearbeitet. Dies ist das Ergebnis eines jahrelangen, aktiv gestalteten Strukturwandels von der land- und forstwirtschaftlichen Urproduktion hin zur Industrie und Dienstleistung. Dieser Weg muss konsequent weiterverfolgt werden. Und Christian Helmenstein nennt auch die wichtigsten Handlungsfelder: „Insbesondere sind die informations-, wissens- und technologieorientierte Wirtschaftsstrukturen und die Digitalisierung zu forcieren.“

Die F&E-Quote im Burgenland befindet sich, trotz großer Bemühungen, immer noch weit unter dem Österreichschnitt. Fortgesetzte Investitionen in Forschungsstätten und in den sekundären und tertiären Bildungsbereich, mit Fokus auf MINT-Ausbildung besonders auch für Frauen, müssen die, sich aus der Studie ergebenden Stärkefelder Erneuerbare Energie, Elektronik, Lichttechnik, Maschinenbau und Medizintechnik, weiter absichern. “Hier liegt die technologische Zukunft des Burgenlandes, welche dem Burgenland attraktive Arbeitsplätze und Wohlstand sichert“, so der Ökonom!

In einer Podiumsdiskussion mit den jungen, heimischen Unternehmern Matthias Unger (Unger Stahlbau), Christina Glocknitzer (SealMaker), Roman Bock (Becom) und Bernhard Wittmann (Sigmapharm) wurde dieser Befund anschaulich bestätigt und die Herausforderungen der Industrie am weltweiten Markt aufgezeigt. Am Industriestandort Burgenland halten alle fest.

Wirtschaftslandesrat Leonhard Schneemann dankte der burgenländischen Industrie mit all ihren Führungskräften und MitarbeiterInnen, „die für sehr viel Wertschöpfung im Land sorgen. Ich möchte mich auch bei den Verantwortlichen der IV - Burgenland für das Engagement zum Wohle der burgenländischen Industrie bedanken. Sie können stolz sein auf das Erreichte“, so Schneemann.
 

IV Präsident Georg Knill hob bei seiner Laudatio die inhaltlichen Schwerpunktthemen der IV Burgenland hervor: Das Thema Berufsorientierung, oder der Ausbau der Infrastruktur vor allem im Südburgenland. Als Meilensteine bezeichnete Präsident Knill die, von der IV-Burgenland ins Leben gerufenen Universitätslehrgänge für Optoelektronik und Photovoltaik. Der Präsident bezeichnete die Arbeit der Landesgruppen als „Fundament für unsere starke, gemeinsame Interessenvertretung“.

IV Burgenland Präsident Manfred Gerger, der diese Funktion bereits seit 10 Jahren ausübt, beschrieb die IV Burgenland als eine erfahrene und dynamische „Einheit“. Diese könne aber durchaus sehr kontrovers diskutieren, um gemeinsam zu Lösungen zu den vielfältigen Themen zu kommen. „Leicht haben wir es uns noch nie gemacht“, dankte Präsident Manfred Gerger den Unternehmern für Ihr Engagement zum Wohle der Burgenländischen Industrie.

Beim anschließenden Netzwerken, von den „Experten“ musikalisch untermalt, diskutieren die zahlreichen Gäste noch bis in die späten Nachtstunden.

 

Die Geschichte der IV Burgenland

Am 19. Mai 1981 fand die konstituierende Sitzung der IV Burgenland statt. Einberufen wurde sie von einem Proponenten Komitee. Die IV Burgenland war die letzte Landesgruppe der Industriellenvereinigung, die somit als eigenständiger Verein mit Sitz Schwarzenbergplatz 4 gegründet wurde. Die Gründungsgruppe zählte eine Hand voll Unternehmer und hatte große Pläne.

Vom besagten Proponent Komitee wurde der Generaldirektor von Felix Austria, Dr. Karl Jeschko, zum ersten Präsidenten gewählt.

1989 über gab Dr. Jeschko das Szepter an Dr. Werner Frantsits, der ganze 22 Jahre mit großem Engagement und Durchsetzungskraft die Geschicke der IV Burgenland leitete. Der erste Geschäftsführer war Dr. Fritz Wedorn, der nach seiner Pensionierung an seine frühere Mitarbeiterin Ingrid Puschautz-Meidl übergab. Die Landesgruppe übersiedelte vom Schwarzenbergplatz in die Landeshauptstadt des Burgenlandes.

2011 wurde Manfred Gerger als Präsident der IV Burgenland gewählt. Die IV Burgenland ist von einem kleinen Verein zur starken Vertretung der Industrie angewachsen und eng mit allen Stakeholdern im Bundesland in Verbindung.