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25.01.2022

Iv-News: Industrie: Inflation wird zum unwillkommenen Begleiter des Aufschwunges
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IV-GS Neumayer/IV-Chefökonom Helmenstein: Moderate Fortsetzung des industriegetragenen Aufschwungs – Entlastung gegen hohe Energiepreise nötig – Behaltefrist wiedereinführen 

„Der produzierende Bereich und seine Partner erweisen sich weiterhin als zuverlässige Stütze des wirtschaftlichen Aufschwungs, der aber zahlreichen Störfaktoren trotzen muss: Angefangen von exorbitant gestiegenen Energiepreisen und einem massiven Inflationsanstieg über nach wie vor schwer verfügbare Rohstoffe bzw. bestimmte Vorprodukte wie Halbleiter über den Mangel an Fach- und Arbeitskräften bis zu massiven geopolitischen Spannungen, die wir in unmittelbarer EU-Nachbarschaft erleben. Angesichts dieser Fülle an Herausforderungen ist es umso wichtiger, die Qualität des Standorts weiter zu verbessern“, fasste Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV) am heutigen Dienstag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit IV-Chefökonom Christian Helmenstein die aktuelle konjunkturelle Situation zusammen. Dafür seien neben der beschlossenen Aussetzung der Erneuerbaren-Förderpauschale weitere Maßnahmen zur Eindämmung der aktuellen Kostenexplosion bei Strom und Gas „ein Gebot der Stunde“. Konkret brauche es eine Kompensation für erhöhte Strompreise aufgrund hoher CO2-Zertifikatekosten („Indirektes Carbon Leakage“), wie sie in Deutschland und anderen EU-Ländern seit Jahren existieren, auch in Österreich. Zudem müsse der bisher eingeschlagene Weg der Entlastung fortgesetzt und ein stärkerer Fokus auf den Kapitalmarkt gelegt werden. Die – im Regierungsprogramm angekündigte – Wiedereinführung der Behaltefrist bei der Kapitalertragsteuer wäre die richtige Maßnahme zur richtigen Zeit. „Gerade angesichts der derzeit hohen Inflation und dem Nullzinsumfeld ist der Vorschlag von Finanzminister Brunner ein richtiges und wichtiges Signal für alle Menschen, die bereit sind, langfristig, gerade auch in ihre Altersvorsorge, zu investieren. Genau das ermöglicht die Behaltefrist, die jene unterstützt, die dies aus bereits versteuertem Arbeitseinkommen tun“, so Neumayer, der sich zudem für Initiativen zur Eigenkapitalstärkung der Betriebe, wie die Abzugsfähigkeit fiktiver Eigenkapitalzinsen, aussprach.  

Die Ergebnisse der aktuellen IV-Konjunkturumfrage 

Das IV-Konjunkturbarometer, welches als (gewichteter) Mittelwert aus den Beurteilungen der gegenwärtigen Geschäftslage und der Geschäftslage in sechs Monaten bestimmt wird, verharrt nahezu unverändert bei 40,1 Punkten nach zuvor 39,9 Punkten. Diese stagnative Entwicklung reflektiert den kräftigen Gegenwind, welcher eine höhere konjunkturelle Dynamik derzeit nicht zulässt. Davon betroffen sind beide Teilkomponenten des Barometers, also sowohl die Bewertung der aktuellen Geschäftslage, deren Saldo sich geringfügig von 64 Punkten auf 62 Punkte zurückbildet, als auch die Einschätzung der Geschäftsaussichten in sechs Monaten, welche um einen Punkt auf +18 nach zuvor plus +17 Punkten zulegt. Die Stabilisierung letzterer Komponente auf mäßigem Niveau lässt für das erste Halbjahr 2022 einen sich allmählich normalisierenden Geschäftsgang mit durchschnittlicher Dynamik in der österreichischen Industrie erwarten.

„Sofern nicht prognostizierbare exogene Schocks wie eine weitere Verschärfung der geopolitischen Spannungen ausbleiben, wird sich dementsprechend der industriegetragene Aufschwung in moderatem Tempo fortsetzen. Die anhaltend ultraexpansive geldpolitische Flankierung, fiskalische Stimuli wie die Investitionsprämie und ökosoziale Steuerreform auf nationaler sowie die Mittel des Wiederaufbaufonds auf europäischer Ebene sichern diesen ab. Hinzu kommt, dass der bis dato weitgehend industriegetragene Aufschwung nach Überwindung der derzeit vorherrschenden Omikron-Welle nach zwei Jahren COVID-bedingter Starre wieder von der Tourismuswirtschaft mitgetragen werden wird, sodass auch von diesem Sektor erstmals nach langer Durststrecke in diesem Jahr wieder nennenswerte Wachstumsbeiträge zu erwarten sind“, erklärte der IV-Chefökonom.

Die absehbare Normalisierung des industriellen Geschäftsganges findet ihren Ausdruck in einem leichten Rückgang der Gesamtauftragsbestände, welche nunmehr einen Saldo von +70 nach zuvor +74 Punkten aufweisen. Stabilisierend wirkt hierbei die Komponente der Auslandsaufträge, welche sich um einen Punkt verringert und bei einem Wert von +67 Punkten nahezu unverändert darstellt. Dies ist Ausdruck einer sich allmählich entspannenden Lage bei den globalen Logistikketten im Zusammenwirken mit einer den Export kurzfristig begünstigenden Wechselkursentwicklung des Euro, der im Jahresabstand sieben Prozent seines Wertes gegenüber dem US-Dollar eingebüßt hat.

In Übereinstimmung mit dem durch die diversen Störfaktoren geprägten Gesamtbild bilden sich die Produktionserwartungen in saisonbereinigter Betrachtung etwas zurück: Selbige sinken von zuvor +38 Punkten auf nunmehr +34 Punkte.

Angebotsseitig von der mangelnden Verfügbarkeit von Arbeitskräften und nachfrageseitig durch die sich normalisierenden konjunkturellen Aussichten bedingt verharrt der Wert für den Beschäftigtenstand fast unverändert bei einem Wert von +33 nach zuvor +32 Punkten. Im Gegensatz zur Situation im vergangenen Herbst beabsichtigt nunmehr allerdings nur noch gut ein Drittel der Unternehmen, den Beschäftigtenstand im laufenden ersten Quartal aufzustocken. Zugleich vermag allerdings nur mehr rund jedes dreißigste Unternehmen seinen Beschäftigtenstand nicht zu halten, was die Einschätzung einer stetigen konjunkturellen Entwicklung unterstreicht, sofern diese nicht durch exogene Schocks unterbrochen wird.

Bei den erzielbaren Verkaufspreisen sieht bereits knapp die Hälfte der Respondenten nicht nur die Notwendigkeit, sondern auch die Möglichkeit der Überwälzung der erheblich gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten (Saldo +47 nach +36). Der exorbitant hohe Wert dieses Indikators weist darauf hin, dass der zuletzt zu beobachtende Preisauftrieb weder ein auf wenige Warenkategorien beschränktes noch ein vorübergehendes Phänomen bleiben wird.

Die Vielzahl der konjunkturellen Störfaktoren hinterlässt beträchtliche Spuren in der aktuellen Ertragslage der Unternehmen. Der betreffende Saldo bildet sich von +43 Punkten auf +30 Punkte zurück, was die hohe Sensibilität der Ertragskomponente als Residualgröße des betrieblichen Geschehens im Vergleich zu den produktionsbezogenen Komponenten reflektiert.

Auf Sicht des nächsten Halbjahres ist bei einem auf +7 nach zuvor bei +6 Punkten liegenden Saldo der Ertragserwartungen im Durchschnitt der Respondenten keine nennenswerte Veränderung in Sicht. Ein erstes Signal, dass sich diesbezüglich Veränderungen anbahnen, lässt sich allerdings aus den zunehmend divergenten Einschätzungen der Respondenten ableiten. Der Anteil der Unternehmen, die mit unveränderten Ertragsperspektiven rechnen, verringert sich von 70% auf 63%, während zugleich sowohl der Anteil der Respondenten mit optimistischen als auch jener mit pessimistischen Ertragserwartungen zunimmt. 

Die IV-Konjunkturumfrage: Zur Befragungsmethode

An der jüngsten Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung beteiligten sich 391 Unternehmen mit rund 260.400 Beschäftigten. Bei der Konjunkturumfrage der IV kommt folgende Methode zur Anwendung: Den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, sodann wird der konjunktursensible „Saldo“ aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.

Die Zahlen und Grafiken zur aktuellen IV-Konjunkturumfrage finden Sie HIER