Industriekonjunktur Burgenland: Deutliches Wachstum – aber Zenit überschritten

Die aktuelle Konjunkturumfrage für das dritte Quartal 2018 der IV Burgenland und der Sparte Industrie Burgenland weist eine gute Geschäftslage und Auftragsbestände in den burgenländischen Industrieunternehmen auf. Der konjunkturelle Zenit scheint aber überschritten, was sich in den sehr vorsichtigen Aussichten für das nächste halbe Jahr abzeichnet.

 

Konjunktur Burgenland 3. Quartal 2018

Nochmals leicht verbessert im Vergleich zum vorigen Quartal zeigt sich die aktuelle Geschäfts- und Auftragslage in den burgenländischen Industrieunternehmen und liegt damit weiterhin auf sehr hohem Niveau. "Eine weitere konjunkturelle Steigerung ist allerdings nicht mehr zu erwarten, der Zenit ist überschritten", analysiert IV Burgenland Geschäftsführerin Ingrid Puschautz-Meidl die Ergebnisse.

Trotz steigendem Protektionismus im internationalen Handel bewegen sich die derzeitigen Auslandsaufträge in etwa auf dem gleich hohen Niveau des vorigen Quartals.

Betrachtet man die in die Zukunft gerichteten Indikatoren, mehren sich die Zeichen für eine konjunkturelle Normalisierung. Für die Geschäftslage in den nächsten drei bis sechs Monaten wird von keinen weiteren Steigerungen ausgegangen. Auch bei den Verkaufspreisen zeigt sich ein beständiges Bild. Rückläufig, aber immer noch stabil, ist der Trend der Beschäftigung in den nächsten drei Monaten. Ein Grund dafür ist auch der anhaltende Mangel an qualifizierten Fachkräften.

Auch die Auswirkungen eines bevorstehenden BREXIT werden von der burgenländischen Industrie, laut einer aktuellen Zusatzumfrage, als  gering eingeschätzt. Allerdings gibt jedes zehnte Unternehmen an, es wäre von einem Brexit stark betroffen. Die burgenländischen Exporte in das Vereinigte Königreich haben sich seit dem Jahr 2016 um etwa ein Drittel auf rund 45 Millionen Euro verringert. Damit liegt das Vereinigte Königreich nicht mehr unter den Top 10 Außenhandelspartnern der burgenländischen Betriebe. Diese Daten lassen bereits auf eine vorweggenommene Bereinigung und Neuausrichtung der Handelsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich schließen.

Vor diesem Hintergrund ist jede einzelne Maßnahme, welche der Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Österreich schadet, zu vermeiden. "Negative Einflüsse könnten auch Verwerfungen rund um mögliche Arbeitsauseinandersetzungen haben", fordert Puschautz-Meidl Vernunft anstatt Klassenkampf bei den derzeit stockenden Metaller-KV-Verhandlungen.

Durch den Beschluss der Arbeitszeitflexibilisierung der Bundesregierung, können dringend notwendige Anpassung an die moderne Arbeitswelt vorgenommen werden.

Trotzdem bedarf es noch weiterer dringender Entlastungen im Bereich der im internationalen Vergleich hohen Steuern, Abgaben sowie Lohnnebenkosten. Dazu bereits angekündigte Reformen sind im Interesse der Wirtschaft und der Bevölkerung gleichermaßen.

Die Konjunkturumfrage des dritten Quartals 2018 im Detail:

Die derzeitige Geschäftslage wird weiterhin äußerst positiv eingeschätzt und übertrifft nochmals die bereits sehr gute Einschätzung des vorigen Quartals. 94 Prozent (83) der Industriebetriebe bewerten sie steigend, 5 Prozent (16) der Betriebe beurteilen sie als gleichbleibend und nur 1 Prozent der Befragten (1) als fallend.

Auch mit der Entwicklung des Auftragsbestandes zeigen sich die Unternehmen sehr zufrieden. Von 94 Prozent (83) der befragten Unternehmungen wird er als steigend beurteilt. Dies ergibt nochmals einen Zuwachs der bereits sehr guten Einschätzung im vorigen Quartal. 5 Prozent (15) sehen eine gleichbleibende Entwicklung des Auftragsbestandes und nur 1 Prozent der Unternehmen (2) erwartet rückläufige Aufträge.

Konstant positiv zeigt sich ebenfalls die Beurteilung der Auslandsaufträge. 69 Prozent (68) gehen von steigenden Auslandsaufträgen aus.  29 Prozent (28) sehen eine gleichbleibende Entwicklung und lediglich 2 Prozent (4) rückgängige Auslandsaufträge.

Mit einer relativ stabilen Entwicklung rechnet man bei den Verkaufspreisen in drei Monaten. Die hohen Rohstoffpreise in sehr vielen Produktionsbereichen der Industrie und der damit verbundene Druck auf den internationalen Märkten führt dazu, dass lediglich 2 Prozent (3) von steigenden Verkaufspreisen ausgehen, 95 Prozent (92) der befragten Unternehmen erwarten stabile Preise und 3 Prozent (5) gehen von fallenden Verkaufspreisen aus.

Eine etwas zurückhaltende Einschätzung zeigt die Beurteilung des Beschäftigtenstandes in drei Monaten. Nur noch 8 Prozent (22) der befragten Unternehmen planen in drei Monaten mehr Arbeitnehmer zu beschäftigen. 85 Prozent (73) gehen von einer konstanten Mitarbeiterzahl aus, und 7 Prozent (5) der Betriebe planen den Beschäftigtenstand eventuell zu reduzieren.

Sehr vorsichtig beurteilt man die Entwicklung bei der Geschäftslage in sechs Monaten.

Keines der Unternehmen (8) rechnet mit besseren Ergebnissen. 98 Prozent (85) sind der Meinung, dass die Geschäftslage unverändert bleiben wird. 2 Prozent (7) erwarten eine Verschlechterung der Geschäftslage in sechs Monaten. Diese zurückhaltende Einschätzung deutet darauf hin, dass der Konjunkturzyklus seinen Höhepunkt überschritten hat.

Die Klammerwerte sind jeweils die Vergleichswerte des 2. Quartals 2018.

Grafiken Konjunktur Burgenland 3. Quartal 2018 (1,4 MB)

 

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