Industriekonjunktur im Aufwind, Beschäftigung nimmt zu - Chancen für Frauen in technischen Berufen!

Der leichte konjunkturelle Aufschwung in der burgenländischen Industrie festigt sich. Positiv beurteilt werden Auslandsaufträge, Verkaufspreise und die Geschäftslage in sechs Monaten. Der Ausblick auf den Beschäftigtenstand bestätigt Chancen für Frauen in technischen Berufen.

v.l.n.r: Verena Sampt, Tischlerin bei Katzbeck, Ingrid Puschautz - Meidl, IV Burgenland, NIna Katzbeck, Vizepräsidentin IV Burgenland, Regina Schramek-March, Textilingenieurin bei Vossen, Christina Bauer und Diana Tiefngrabner, beide technische Zeichnerinnen bei Unger Stahlbau

Rudersdorf: "Es scheint so, als ob die burgenländische Industrie eine relativ lange Stagnationsphase überwunden hat und wieder etwas optimistischer in die Zukunft blickt", freut sich Ingrid Puschautz-Meidl, Geschäftsführerin der IV Burgenland, über die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage des ersten Quartals 2017 der IV Burgenland und der Sparte Industrie der WK Burgenland.

Die ausgewerteten Indikatoren fielen zuletzt in fast allen Bereichen günstiger aus als in den Vorquartalen. Der leichte konjunkturelle Aufschwung in der burgenländischen Industrie festigt sich trotz gewisser weltwirtschaftlicher und weltpolitischer Unsicherheiten.
Dafür gibt es mehrere Ursachen. Die internationale Konjunktur hat wieder mehr an Fahrt aufgenommen und vor allem die Exporteure können von dieser Dynamik profitieren. Mehr als 70 Prozent der Exporte der burgenländischen Industrie gehen in die EU und davon der größte Teil nach Deutschland. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist weiterhin sehr gut, was auch für burgenländische Unternehmen positive Effekte mit sich bringen sollte.
"Ich gehe davon aus, dass die Konjunktur auch im Burgenland in den nächsten Monaten noch weiter anziehen wird, so ferne das Vertrauens in die Planbarkeit der Standortbedingungen und die Machbarkeit von Investitionsprojekten wieder gesetzt wird, der Abbau von Bürokratie und Überregulierung sowie die Senkung der Steuer- und Abgabenlast endlich angegangen wird", so Puschautz-Meidl.

 

MINT -Nachwuchs wird zur Schicksalsfrage
Wie die Konjunkturumfrage zeigt, sucht auch die burgenländische Industrie wieder vermehrt nach Personal. Und zwar vor allem: nach technischem Personal. Noch immer haben 8 von 10 Industrieunternehmen Rekrutierungsprobleme in Zukunftsbereichen, wie Technik, Produktion oder F&E. In Österreich werden bis 2020 fast 40.000 neue MINT-Jobs entstehen (AMS/WIFO 2015). Das ist ein Jobzuwachs von vier Prozent.
"Das Burgenland braucht also die Talente engagierter Frauen heute dringender denn je", ermuntert IV - Vizepräsidentin Nina Katzbeck junge Frauen, einen technischen oder naturwissenschaftlichen Beruf zu wählen.

Frauen sind nämlich in den zukunftsträchtigen MINT-Fächern (MINT = Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik)  völlig unterrepräsentiert. "Bildungs- und Berufswahl sind in Österreich - und vor allem im Burgenland - nach wie vor sehr traditionell geprägt", bedauert Nina Katzbeck. "Jungen Mädchen muss die Scheu davor genommen werden, sich für einen technischen Bereich sich zu bewerben. Schnuppertage in diesen Berufen sollten vor allem Mädchen vermehrt angeboten werden", so Katzbeck.

Dass interessierte und engagierte Frauen geeignet sind, in technischen Berufen zu reüssieren, sieht die IV Vizepräsidentin als selbstverständlich: "Frauen und Männer denken zwar unterschiedlich. Ich sehe das aber als Vorteil. Denn genau aus diesen unterschiedlichen Ansätzen entstehen gute Ideen. Das kann ich aus den Erfahrungen in unserem Unternehmen bestätigen".

 

Burgenländische Frauen in technischen Berufen

Und es gibt auch im Burgenland Frauen, die vom traditionellen Pfad abgewichen und erfolgreich in technischen Berufen tätig sind.
Wir wollen Ihnen einige von ihnen vorstellen und erklären, warum Frauen  technische und naturwissenschaftliche Berufe wählen und damit auf dem richtigen Weg sind. 

Verena Sampt hat die Tischlerlehre bei Katzbeck abgeschlossen und sich schon früh bewusst für eine Tätigkeit im technischen Bereich entschieden: "Da meine Interessen immer in Richtung Technik gingen, wollte ich in der, immer noch von Männern dominierten Welt, Fuß fassen. Es reizt mich, diese Herausforderung angenommen zu haben und somit so manches Frauenklischee entkräftet habe", bereut die Tischlerin nicht, diesen Weg eingeschlagen zu haben.

 

Vereinbarkeit Beruf-Familie

"Noch nie gab es für Mädchen so viele Förder- und Informationsmöglichkeiten bezüglich technischer Berufsmöglichkeiten, wie heute", betont Regina Schramek - March, Textilingenieurin und Abteilungsleiterin Färberei und Ausrüstung bei Vossen, die große Bedeutung der Berufsorientierung in den Schulen und die Förderungen für Frauen in Technik. Und Schramek-March sieht für junge Frauen gerade jetzt eine große Chance in diesen Berufen: "Der zunehmende Mangel an technischen Fachkräften erleichtert Frauen mit einschlägiger Ausbildung den Einstieg in technische Berufe". Und die technische Führungskraft erklärt auch, wie man Familie und Beruf unter einen Hut bringen kann:
"Unternehmen mit Weitsicht fördern immer mehr weibliche  Mitarbeiter durch passende Arbeitszeitmodelle. Somit wird die persönliche Lebensplanung junger Frauen gut vereinbar".

 

Besserer Verdienst

Diana Tiefengrabner und Christina Bauer, beide technische Zeichnerinnen bei Unger Stahlbau, begründen ihre Berufswahl mit der spannenden Tätigkeit und einem finanziellen Anreiz, der auch den Gender Gap zum Schmelzen bringen würde:
"Uns beiden gefällt es in einem technischen Beruf zu arbeiten, da man dort seine Fähigkeiten beweisen kann und es eine größere Herausforderung ist. Zudem verdient man hier auch wesentlich mehr. Und das Arbeitsklima ist viel besser, wenn der Frauen- und Männeranteil in einem Büro relativ ausgeglichen ist".

Frauen werden in Zukunft immer mehr in diesen Berufen gebraucht. Zwei Drittel unseres Wohlstandes verdanken wir technologischer Veränderung, Forschung und Innovation. Die Sicherstellung des MINT-Nachwuchses wird damit zur Schicksalsfrage für den Standort, insbesondere für die innovative Industrie. Globale Trends wie die Digitalisierung der Wirtschaft (Industrie 4.0) werden hierbei auch in Österreich zu einer weiteren Zuspitzung der Rekrutierungssituation sorgen. 

 

Die Konjunkturumfrage des ersten Quartals 2017 im Detail:

Die derzeitige Geschäftslage wird etwas besser als im Vorquartal eingeschätzt; von 44 Prozent (44) wird sie als steigend beurteilt. 55 Prozent (46) der befragten Unternehmungen bewerten sie als gleichbleibend und lediglich 1 Prozent (10) als fallend.

Der Auftragsbestand wird nicht ganz so optimistisch eingeschätzt. 45 Prozent (57) beurteilen ihn als steigend, 54 Prozent (35) der Betriebe gehen von einem gleichbleibenden Auftragsbestand aus und 1 Prozent (8) erwartet fallende Aufträge.

Positiv fällt in den aktuellen Umfragewerten die Beurteilung der Entwicklung der Auslandsaufträge aus. 43 Prozent (40) gehen von steigenden Auslandsaufträgen aus, 57 Prozent (49) von gleichbleibenden und kein Unternehmen erwartet fallende Auslandaufträge (im Vorquartal waren dies noch 11 Prozent).

Bei den Verkaufspreisen in 3 Monate zeigt sich tendenziell ein eher konstantes Bild.
4 Prozent der befragten Betriebe (gegenüber 0 Prozent im Vorquartal) rechnet mit steigenden Preisen. 86 Prozent (81) gehen von gleichbleibenden Preisen aus. 10 Prozent (19) der befragten Unternehmen erwarten fallende Verkaufspreise.

Erfreulich ist auch die weiterhin positive Beurteilung des Beschäftigtenstandes in drei Monaten. Die Analyse der Umfrage zeigt auch in diesem Bereich eine zuversichtliche Sicht der Betriebe. 14 Prozent (16) der befragten Betriebe geht davon aus, dass in drei Monaten mehr Arbeitnehmer beschäftigt werden. 85 Prozent (78) geht von einer konstanten Mitarbeiterzahl aus. Und nur 1 Prozent (6) der Betriebe rechnet mit einem geringeren Beschäftigtenstand. 

Besonders optimistisch wird die Geschäftslage in sechs Monaten gesehen. 29 Prozent (12) rechnen mit einer Steigerung! 69 Prozent (86) sind der Meinung, dass die Geschäftslage gleich bleiben wird. 2 Prozent (2) rechnen mit einem leichten Minus.

Die Klammerwerte sind jeweils die Vergleichswerte des 4. Quartals 2016.
Bei der Umfrage haben sich 32 Industrieunternehmen mit insgesamt 5.262 Mitarbeitern beteiligt.

 

Grafik Konjunkturumfrage 1. Quartal 2017

 

Grafik KU 1. Quartal 2017 (15,3 KB)

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