Wir bieten Dir eine Chance – nütze sie!

80 Prozent der Burgenländischen Industrieunternehmen haben Probleme, ihre offenen Stellen zu besetzen. Neben der Rohstoffknappheit ist der Fachkräftemangel das größte Hindernis auf dem Weg zum Wirtschaftsaufschwung.

Bildtext: v.l.n.r.: Michael Dinhobl, Christian Strasser, Lisa Marchhart, Manfred Gerger, Andreas Schabhielt

Derzeit gibt es im Burgenland 110.000 unselbstständig Beschäftigte. Das ist der zweithöchste Wert in der Geschichte des Burgenlandes (Juli 2019 – 110.170). Gleichzeitig zählen wir 7692 beschäftigungslose Menschen (Ohne Schulungsteilnehmer). Und hier verfestigt sich insbesondere die Langzeitarbeitslosigkeit (+75 Prozent).

„Die Krise hat gezeigt, dass hohe Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel keineswegs im Widerspruch stehen. Und dieser Trend wird sich weiter fortsetzen, da sich zum einen die Kompetenzanforderungen wandeln und es zum anderen einen demografischen Rückgang gibt. Die Folge von fehlendem Personal ist, dass Aufträge nicht mehr abgearbeitet werden können und damit Wertschöpfung verloren geht“, fasst Manfred Gerger, Präsident der IV Burgenland, die derzeitige Problematik in der Industrie zusammen.

Christian Strasser, PET 2 PET, hat es, trotz schwieriger Bedingungen, geschafft, das Unternehmen ohne Unterbrechung und ohne Freisetzung von Mitarbeitern durch die Corona - Pandemie zu bringen. Nun versucht er bereits seit Monaten zusätzliche Mitarbeiter zu rekrutieren. „Trotz hoher Arbeitslosenzahlen kommen nicht einmal ausreichend Bewerbungen, um Planstellen zu besetzen. Vom Willen zu arbeiten, ganz zu schweigen“, steht Strasser vor einem schier unlösbaren Problem und sieht „die soziale Treffsicherheit bei den staatlichen Unterstützungen nicht immer gegeben“.

Die Auswirkungen des Fachkräftemangels sind dramatisch: „Wenn es uns nicht gelingt, zusätzliche Mitarbeiter einzustellen, können die Anlagen nicht mit voller Leistung betrieben werden. Fehlende Mitarbeiter führen zu einer Minderung der Produktionsleistung, obwohl die Nachfrage sehr groß ist“, so Strasser.

Es fehlt an allen Qualifikationen

Die Jobangebote sind breit gestreut. Es werden Mitarbeiter quer durch alle Qualifikationsniveaus gesucht.

„Durch die Corona-Pandemie kennt man heute Begriffe wie „Virenbelastung“ und „HEPA Filter“. Das Gehäuse dazu, in denen diese Filter zur Abwehr der Viren eingebaut sind, muss jedoch auch entwickelt werden. Dazu fehlen uns aber Konstrukteure, die out-of-the-box denken und neue, innovative Lösungen für unsere Produkte finden“, sucht Lisa Marchhart, Marchhart GmbH, Mitarbeiter, welche technisch versiert und kreativ sind.

Aber auch traditionelle Berufe stehen hoch im Kurs:„Trotz Digitalisierung und Einsatz von Robotern suchen wir immer noch den klassischen Schlosser als Fachmann für Metall. Ein Roboter nimmt dem Mitarbeiter nur die Handhabung ab - wie etwas zu schweißen ist, muss noch immer der Facharbeiter beurteilen und festlegen“, widerlegt Marchhart das Argument, dass Roboter Arbeitsplätze wegnehmen.

Auch PET 2 PET fehlen Mitarbeiter quer durch alle Qualifikationsniveaus. „Wir suchen vom Schichtleiter, Schlosser, Elektriker, Staplerfahrer bis hin zu Sortierkräften Menschen mit den verschiedensten Ausbildungen. Bisher leider ohne Erfolg“, so Christian Strasser.

Die Elektro- und Elektronikindustrie schaut weit in die Zukunft. Demgemäß gelagert sind die Kompetenzanforderungen für Facharbeiter in dieser Branche: „Wir brauchen hoch-qualifizierte Entwickler, die den Anforderungen, welche die Digitalisierung und die Künstliche Intelligenz mit sich bringt, gewachsen sind. Da geht die Reise hin, da müssen wir am Ball bleiben, um unsere Wettbewerbsfähigkeit nicht zu verlieren“, so Manfred Gerger, Gerger Industrial Holding GmbH.

Die Bauindustrie und das Baunebengewerbe hat derzeit volle Auftragsbücher. Was fehlt, sind Lehrlinge und Facharbeiter. Andreas Schabhietl, Porr Bau GmbH, geht hier schon außergewöhnliche Wege, um die Suche und das Behalten von Mitarbeitern erfolgreich zu gestalten. „Da der Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft nicht nur krisenbedingt, sondern ständiger Begleiter ist, müssen wir nach langfristig wirksamen Maßnahmen suchen, um Mitarbeiter zu generieren. Wir bieten daher die Möglichkeit einer innerbetrieblichen, lebenslangen Weiterbildung und attraktive Entwicklungschancen, um unsere Fachkräfte langfristig ans Unternehmen zu binden“.

IV Burgenland Präsident Manfred Gerger fordert daher, dass „Politik und Gesellschaft den Fachkräftemangel endlich als zentrale Herausforderung für Aufschwung und Wachstum der nächsten Jahre erkennen und eine Gesamtstrategie mit allen relevanten Themen aufsetzen“.

Besonders an den Stellschrauben Aus- und Weiterbildung, Attraktivierung der Industrielehre, verstärkte Berufsorientierung in Schulen, mehr MINT für Kinder ab dem Kindergarten, Verbesserung der Vermittlung von Grundkompetenzen im schulischen Bereich, eine bessere und effizientere Vermittlung von arbeitslos gemeldeten Personen in den ersten Arbeitsmarkt, eine verbesserte, qualifizierte Zuwanderung und besonders das Thema Frauenbeschäftigung & MINT – Berufe ist schnellstens zu drehen.

Alte Themen, noch immer ungelöst!

„Eine große Unbeweglichkeit hemmt unser wirtschaftliches Fortkommen. Von staatlichen Einrichtungen bis auf die persönliche Ebene mangelt es an schnellen, flexiblen Entscheidungen“, ortet auch Michael Dinhobl, MedTrust, grobe Versäumnisse bei der Bewältigung des Problems. „Wir haben derzeit eine große Chance, den Wirtschaftsaufschwung zu nutzen. Das darf nicht an der Unbeweglichkeit und einem zu Tode reglementieren zunichte gemacht werden“, so Dinhobl.

„Nur die hohe Arbeitslosigkeit zu bejammern und reflexartig mit neuen Belastungen für Unternehmer und noch höheren Sozialleistungen zu reagieren, sind Instrumente aus der Mottenkiste und bringen uns nicht weiter. Wir müssen die anstehenden Fragen beantworten und umsetzen, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Die Chance, einen interessanten und gut bezahlten Job in der heimischen Industrie zu finden, war selten so groß, wie heute. Aber Chancen muss man auch nützen“, so Manfred Gerger.

 

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