iv-positionen

„Ziel ist die Steigerung der Forschungsquote“

Wirtschaftslandesrat Leonhard Schneemann sprach mit den iv-positionen über innovative Unternehmen, die Förderung von Start-ups und qualifiziertes Personal als Basis für einen erfolgreichen Forschungsstandort Burgenland. 

Herr Landesrat, die Wirtschaftsleistung des Burgenlandes hat sich seit dem EU-Beitritt 1995 um 141 Prozent gesteigert. Das Burgenland hat sich, allerdings ausgehend von einem geringeren Niveau, somit dynamischer entwickelt, als Gesamtösterreich. Der größte Teil dieser Entwicklung ist dem Strukturwandel, und damit der Forschung, Entwicklung und Innovation des tertiären und sekundären Sektors geschuldet. Wie fördern Sie diese beiden Sektoren, um F&E noch weiter voranzutreiben?

Die burgenländische Landesregierung hat im „Zukunftsplan Burgenland“ zahlreiche Maßnahmen zur Stärkung der Wirtschaft fixiert. Beispielsweise werden Investitionen von Seiten der burgenländischen Betriebe in den beiden Sektoren nach eingehender Bewertung einer Förderkommission gefördert. Die Förderungen reichen von Finanzierungsunterstützungen über Haftungen bis hin zu Beteiligungen. Dadurch konnten zahlreiche innovative Firmengründungen und Projekte mit-initiiert werden und somit die Forschung & Entwicklung von Unternehmen vorangetrieben werden. 

Ein starker Fokus wird auf die Vernetzung der Unternehmen mit den Forschungsinstitutionen des Landes, überregionalen Forschungseinrichtungen und des Forschungskoordinators gelegt. Damit wollen wir die Forschungsquote im Burgenland wesentlich erhöhen. 


Die Forschungsausgaben im Burgenland haben sich seit dem EU-Beitritt auf fast 80 Millionen Euro verzehnfacht. Fast 75 Prozent davon fallen auf die Industrie. Wie kann das Land Burgenland die Industrie dabei unterstützen, um die F&E-Intensität in der Industrie noch weiter zu erhöhen? 

Die strukturellen Weichenstellungen sind diesbezüglich in der Wirtschaftsagentur Burgenland durch die Gründung der „Wirtschaftsagentur Burgenland Forschungs- und Innovations GmbH“ passiert.

Damit kann eine direkte Verbindung zwischen Forschung und Wirtschaft und somit auch zu Industriebetrieben aufgebaut werden. Der Fokus der neugegründeten Gesellschaft liegt in der wirtschaftsnahen Auftragsforschung und dabei speziell im Bereich der Energieversorgung und erneuerbaren Energien. Einer Ausweitung des Forschungsspektrums steht grundsätzlich bei entsprechender Beteiligung nichts im Wege.

Die Forschungseinrichtungen des Landes sind an praxisorientierten Forschungsprojekten sehr interessiert und dabei auch laufend eingebunden. Die Forschungsinitiativen werden durch Beteiligung des Landes, wie zB an der JOANNEUM RESEARCH ForschungsgmbH, gefördert und dadurch direkt unterstützt. Von diesen Forschungseinrichtungen kann die F&E-Intensität der burgenländischen Industrie profitieren.

 

Mit 0,85 Prozent Forschungsquote hält das Burgenland die rote Laterne noch immer fest in der Hand. Wo gedenken Sie dabei den Hebel anzusetzen? 

Wir brauchen hier mehrere Hebel: Wichtig und unverzichtbar ist eine große Motivation der Unternehmen, sich an Forschungsprojekten zu beteiligen. Außerdem läuft eine Initiative des Landes, damit Unternehmen deren Forschungs- und Entwicklungsprojekte bei der Statistik Austria zur Berechnung der Forschungsquote einmelden. Hier haben wir jedenfalls Aufholbedarf. Darüber hinaus prämieren wir von Seiten des Landes innovative Unternehmen, um weitere Anreize zu schaffen. Und zu guter Letzt investieren wir stark in die landeseigenen Forschungseinrichtungen.

 

In Güssing wurde der Südhub gegründet, um Startups die Möglichkeit des ersten Schrittes zu geben. Innovation gelingt aber nur durch Kooperation mit der Industrie. Und mit der nötigen finanziellen Unterstützung. Was sind da die Pläne des Landes Burgenland? 

Mit dem Südhub StartUp- und Gründerzentrum in Güssing, das wir vor Kurzem geschaffen und eröffnet haben, wollen wir StartUps sowie innovative Gründerinnen und Gründer unterstützen. In diesem Zentrum werden Beratungen sowie der Südhub Accelerator und die Digitale Gründerakademie angeboten. Die Leistungen für StartUps reichen von Coaching über Finanzierungen bis hin zu Unterstützung beim Markteintritt. Das Südhub-Team kooperiert selbstverständlich mit allen wichtigen Stakeholdern im Land, so auch mit der Industrie. Die ersten StartUps haben den Markteintritt bereits vorgenommen und den Betrieb erfolgreich gestartet.

 

F&E benötigt gut qualifiziertes Personal. Das Burgenland hat keine Universität und damit dahingehend einen Standortnachteil. Wie kann man junge Menschen im Land behalten, oder sie nach dem Studium wieder zurückholen? 

Dafür brauchen wir eine breite Palette an Angeboten und Maßnahmen. Um junge qualifizierte Leute im Land zu halten oder ins Land zu holen, ist auf gesellschaftspolitischer Ebene ein positives Klima zu schaffen. Außerdem brauchen wir natürlich innovative Unternehmen, attraktive Arbeitsplätze und eine gute Infrastruktur. Was jungen Menschen immer wichtiger wird, ist eine ausgeprägte Work-life Balance. Auch hier kann das Burgenland punkten. Weiters arbeiten wir mit Hochdruck am Breitband-Ausbau, um schnellste Datenverbindungen in allen Teilen des Landes zur Verfügung stellen zu können.

 

Wo sehen Sie für das Burgenland den Forschungs- und Innovationsschwerpunkt um das Land für die Zukunft entsprechend zu positionieren.  

Wie gesagt, unser Anspruch muss es sein, in qualitativer Hinsicht in gewissen Bereichen die Nummer Eins zu werden. Mit dem Bau des „Digital Security Lab“ in Eisenstadt, das schon bald den Betrieb aufnehmen wird, werden neue Synergien und Arbeitsplätze geschaffen, der Forschungsstandort Eisenstadt gestärkt und die internationale Sichtbarkeit der Forschung Burgenland erhöht. Forschungsprojekte aus dem „Center for Cloud and Cyber Physical Systems Security“, dem „Center for Energy Transition“ und dem „Center for Sustainable Innovation“ werden dort auf neuestem Stand der Technik unterstützt und stärken dadurch den Forschungs- und Industriestandort Burgenland maßgeblich. Die Inbetriebnahme des EFRE-Investitionsprojekts „LowErgeticum“ in Pinkafeld Anfang nächsten Jahres ist ebenfalls eine große und bedeutende Investition in die Zukunft der Forschungsaktivitäten.

 

Was ist Ihr persönliches Ziel für diese Regierungsperiode, was die Forschungsquote betrifft? 

Ich möchte Forschung und Entwicklung bei zahlreichen Überlegungen noch stärker ins Zentrum stellen. Dafür brauchen wir eine breite gesellschaftliche und politische Akzeptanz für eine stärkere Berücksichtigung von Forschung und Entwicklung in vielen Belangen. Das wollen wir unter anderem wie schon erwähnt mit der neu gegründeten Forschungs- und Innovations GmbH erreichen, um Synergien verschiedener Forschungsprojekte zwischen dem Land und heimischer Unternehmen zu heben.

Mein persönliches Ziel ist die Steigerung der Forschungsquote in Richtung österreichischer Durchschnitt, allerdings unter Berücksichtigung, dass wir ohne Universitäten rund ein Prozent unter der Quote liegen.