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Kreislaufwirtschaft – Ja natürlich, aber richtig!

Christian Strasser ist Sprecher des Arbeitskreises Ressourcenwirtschaft der IV Burgenland. Der Geschäftsführer von PET to PET Recycling Österreich GmbH beschäftigt sich schon berufsbedingt intensiv mit dem Thema Kreislaufwirtschaft und teilt mit den iv positionen seine Ansicht der aktuellen Herausforderungen bis zum Sinn und Unsinn des Pfandsystems.

Iv positionen: Wo liegen die aktuellen Herausforderungen einer Kreislaufwirtschaft?

Strasser: Es ist keine Frage, dass Vermeidung wohl die wirksamste Form darstellt, um die politisch gesteckten Ziele zu erreichen. Allerdings wir haben in unserer Gesellschaft einen Standard in vielerlei Hinsicht (Haltbarkeit, Hygiene, Sicherheit, etc.) erreicht, welcher ein gewisses Maß an Verpackung voraussetzt. Bei Getränken zum Beispiel, besteht die Frage wohl nicht, ob Verpackung oder ob nicht, sondern vielmehr, welche Form gewählt wird. Studien haben gezeigt, dass die ökologische Wirkung von Einweg-PET bzw. Mehrweg-Glasverpackungen nahezu ident ist. Allerdings unter der Voraussetzung einer Kreislaufführung der PET Getränkeflasche – und genau das ist es, wofür PET to PET Recycling Österreich GmbH steht. In diesem Bereich funktioniert bereits seit 2007 eine gut funktionierende Kreislaufwirtschaft.
Die im Rahmen des Kreislaufwirtschaftspakets definierten europäischen Ziele bis 2025 sind insbesondere bei Getränkeverpackungen bereits übererfüllt oder mit geringen Nachjustierungen leicht zu erfüllen. Allerdings besteht neben der Getränkeverpackung ein generelles Ziel, welches vorgibt, dass bis 2025 alle Verpackungen aus Kunststoff zu 50 Prozent recycelt werden müssen. Nur zur Orientierung, derzeit stehen wir nach gültiger Berechnungsmethode bei 25 Prozent. Hier liegen die wirklichen Herausforderungen, welche sehr schwer zu erreichen sind, sollte der rechtliche Rahmen bereits bei der Festlegung einer Recyclingquote enden. Hier ist anzumerken, dass die derzeit bereits sehr intensiv aufbereiteten Verpackungen jene sind, welche technisch relativ einfach aufzubereiten sind – dazu zählen allen voran natürlich auch die Getränkeflaschen aus PET! Damit die Ziele bis 2025 erreicht werden können wird es große Anstrengungen benötigen, um auch die wesentlich schwieriger zu recycelnden, komplexeren Verpackungswerkstoffe mit einzubeziehen. Es ist, wie derzeit bereits deutlich am Markt zu beobachten, davon auszugehen, dass diese Sekundärrohstoffe dann auch deutlich teurer sein werden als vergleichbare Primärrohstoffe. Daher muss man auch festlegen, wer und in welcher Form Sekundärrohstoffe einzusetzen hat – wie das bereits im Bereich der Getränkeflaschen aus PET passiert ist. 


Iv positionen: Was kann der Einzelne (Konsument*In) tun, damit Kreislaufwirtschaft gut läuft?

Strasser: In Österreich haben wir eines der besten Sammelsysteme der Welt. Der wichtigste Beitrag des Konsumenten ist ein Grundverständnis dafür, dass gebrauchte Verpackungen (z. B. die PET Getränkeflasche u.v.a.m.) kein Abfall sind, sondern wertvoller Rohstoff. Nur wenn dieser in die richtigen Sammelbehälter eingeworfen wird, kann daraus wieder wertvolles Recyclat für die Kreislaufführung hergestellt werden.


Iv positionen: Wie sinnvoll ist ein Dosen- und ein Plastikpfand?
 
Strasser: Rein aus der egoistischen Sicht eines PET- Recyclers würde die Antwort wohl eindeutig „sehr sinnvoll“ lauten. Aus Sicht des Konsumenten allerdings und der zu erreichenden Gesamtziele kommen hier jedoch Zweifel auf. Ein eigenes System mit unzähligen Rücknahmeautomaten aufzuziehen, welche ausschließlich für Getränkeverpackungen vorgesehen sind, ist angesichts der zu erreichenden Ziele nicht der optimale Weg. Ein integriertes System unter Nutzung der digitalen Möglichkeiten wie das „Digitales Pfand“, wäre jedenfalls zu bevorzugen. Es sollte bereits bestehende Infrastruktur eingebunden werden und für alle zukünftig noch zu definierenden Wertstoffe gleichermaßen geeignet sein.
Jedenfalls ist, obwohl in der politischen Diskussion manchmal unklar kommuniziert, die Einführung eines reinen Pfandsystem für Einweggetränkeverpackungen nicht geeignet, um die europäischen Ziele im Bereich der Kunststoffverpackungen zu erreichen.


Iv positionen: Wer wird das Pfandsystem bezahlen?

Strasser: Es ist nicht zu verhindern, dass sämtliche Kosten im Zusammenhang mit einem zusätzlichen Rücknahmesystem letzten Endes vom Konsumenten zu tragen sind. Und dies auch dann, wenn es hier zu einer kurzzeitigen Zwischenfinanzierung durch die Wirtschaft kommen sollte.
Unter Abwägung aller Einflussfaktoren wäre aus unserer Sicht ein Pfandsystem, in Verbindung mit bereits bestehender Infrastruktur unter bestmöglicher Nutzung der Digitalisierung, ein zweckmäßiger und zukunftsfähiger Ansatz.