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Industrie: 2021 könnte größtes Wachstum seit 40 Jahren bringen

IV-Präs. Knill | IV-GS Neumayer: 5,1 Prozent BIP-Zuwachs möglich, wenn Rahmenbedingungen passen – IV-Strategie und konkrete Maßnahmen – Keine zusätzlichen Belastungen

„2021 könnte das größte Wirtschaftswachstum seit 40 Jahren bringen. Bis zu 5,1 Prozent BIP-Zuwachs sind möglich, wenn die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingen stimmen und die Weichen richtig und vor allem rasch gestellt werden“, betonten Georg Knill, Präsident der Industriellenvereinigung (IV), und IV-Generalsekretär Christoph Neumayer am heutigen Freitag unisono im Rahmen einer Pressekonferenz. Zwar gebe es naturgemäß immer eine Restunsicherheit, doch würden laut IV-Konjunktureinschätzung sehr gute Gründe für eine kräftige Erholung sprechen. „Die Exporte werden durch die bessere physische Erreichbarkeit unserer Absatzmärkte wieder steigen und geopolitische Unsicherheiten abnehmen – insbesondere, was die neue US-Administration betrifft sowie die dann endlich herrschende Klarheit über den Brexit“, so Knill. Überdies werde der Inlandskonsum – durch den Rückgang der Sparquote – wieder anziehen und ebenso die Investitionsnachfrage – beflügelt durch die Investitionsprämie. „Die dritte Milliarde dürfte ein Investitionsvolumen von über 30 Mrd. Euro auslösen“, hob der IV-Präsident hervor. Sollen 2021 und die Folgejahre zu „Jahren des Aufschwungs“ werden, müssten alle Hebel in Richtung nachhaltiges Wachstum gestellt werden. „Die Industriellenvereinigung hat daher bereits im Herbst einen breiten Prozess gestartet, an dessen Ende eine IV-Industriestrategie steht. In diesen Prozess sind rund 1.000 IV-Mitglieder eingebunden, um das Know-how aus der betrieblichen Praxis ideal mitzunehmen.“ Weiterer Input-Geber sind die Ergebnisse des ‚ZukunftsMonitors‘ – eine jährliche Studie, die mit Universität Wien und IFES-Institut durchgeführt wird und Auskunft gibt, wie die Menschen dieses Ausnahmejahr empfunden haben und was sie von der Zukunft erwarten.

Neumayer: Ungebrochen hohes Vertrauen in Unternehmen – werden als Garanten für gute Arbeitsplätze wahrgenommen

„Wenig überraschend hat das Corona-Jahr laut ‚ZukunftsMonitor‘ Spuren hinterlassen – die Zuversicht in die ökonomische Entwicklung ist gesunken. Aber: Unternehmen werden weiter als Garanten guter Arbeitsplätze gesehen und solle daher in der Krise weiter gestärkt werden“, so Neumayer, der die Ergebnisse der Befragung skizzierte. So würden Unternehmen zudem bei 41 Prozent der Befragten hohes Vertrauen genießen und liegen damit an 3. Stelle hinter Gesundheitssystem (51%) und Polizei (47%) und sogar noch vor Justiz (38%) und staatlichen Behörden (34%). „Die Industrie wird von 60 Prozent der Befragten als Motor der österreichischen Gesamtwirtschaft gesehen. Bedenklich stimmt jedoch, dass nur knapp 1/3 das Klima für Unternehmensgründungen für günstig hält, für fast die Hälfte ist eine Karriere als Unternehmerin oder Unternehmer unattraktiv. Damit können und dürfen wir als Land nicht zufrieden sein – und müssen daraus, sowie aus den Rückmeldungen aus unseren Betrieben, die richtigen Maßnahmen für einen attraktiven, wettbewerbs- und wachstumsfähigen Wirtschaftsstandort Österreich ableiten“, so der IV-Generalsekretär, der zudem betonte: „Selbstständigkeit muss eine attraktive Lebensperspektive sein.“

Knill: 5 konkrete Maßnahmen für das 1. Quartal 2021

„Teil 1 unserer IV-Industriestrategie ist abgeschlossen. Wir haben aus den Rückmeldungen der Betriebe fünf kurzfristige Maßnahmen abgeleitet, die im 1. Quartal angegangen werden müssen, wenn 2021 ein Jahr des Aufschwungs werden soll“, so Knill. Die besagten Maßnahmen lauten wie folgt:

  1. Eigenkapitalstärkung & Entlastung. Das bedeutet eine schnelle Stärkung des Eigenkapitals – beispielsweise durch fiktive Eigenkapitalzinsen – und die Perspektive einer KöSt-Senkung wie im Regierungsprogramm angekündigt sowie eine klare Absage an jegliche zusätzliche Belastung, wie etwa Vermögensteuern.
  2. Finanzierungszusage für EU-Projekt IPCEI und sinnvolle Gestaltung des Erneuerbaren Ausbau Gesetzes (EAG). Klimaschutz und Klimatechnologie müssen als Stärken österreichischer Unternehmen ausgebaut werden. Daher braucht es eine verbindliche Finanzierungszusage für die „Vorhaben von gemeinsamem europäischen Interesse“ (IPCEI) im Bereich Dekarbonisierung sowie Planungssicherheit und Kosteneffizienz beim EAG.
  3. Qualifizierung und Fachkräfte sichern. Bestehende AMS-Tools und Mittel der Corona-Joboffensive für Qualifizierungsmaßnahmen sind zielgerichteter einzusetzen. So sollten etwa zusätzliche Mittel der Corona-Joboffensive auf Arbeitsplatznahe Qualifizierung (AQUA) ausgerichtet werden. Auch die Mobilität von Lehrlingen muss sich erhöhen. Dazu braucht es in industriestarken Regionen mit Leitbetrieben, die Lehrlinge suchen, regionale Lehrlings-Hubs. Diese umfassen Wohnmöglichkeiten, Mentoring, Freizeitangebote und Mobilitätslösungen (z.B. Shuttle-Netze) – es soll ein attraktives, motivierendes Gesamtangebot für junge Menschen entstehen.
  4. Innovationen und Investitionen stärken. Aus den Mitteln des EU Recovery Fund muss Österreich eine 1 Mrd. Euro für innovative Klimaschutzinvestitionen bereitstellen. Zudem muss der „Fonds Zukunft Österreich“ als Nachfolger der Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung umgesetzt werden – inklusive Budgetzusage von Seiten der Politik.
  5. Kapitalmarkt in Schwung bringen. Die Behaltefrist für die Kapitalertragssteuer muss als Abgrenzung zwischen kurzfristiger Spekulation und langfristiger Anlage wiedereingeführt werden. Wirtschaftsbildung soll stärker in der schulischen Allgemeinbildung verankert werden.

„Die von uns präsentierten Maßnahmen haben einen großen Vorteil: Sie können rasch umgesetzt werden und wirken kurzfristig. Genau das brauchen wir jetzt, damit 2021 das Jahr des großen Aufschwungs für Standort und Industrie werden kann“, so Knill und Neumayer, die abschließend klarstellten: „Die Corona-Wirtschaftskrise kann ausschließlich mit nachhaltigem Wachstum überwunden werden. Alles andere wäre eine völlige Fehleinschätzung. Wir haben jetzt die Chance, einen entscheidenden Beitrag für den Wiederaufstieg, für Wachstum und Arbeitsplätze zu leisten – allerdings nur, wenn rasch und richtig gehandelt wird.“