Ob im Auto, am Smartphone oder im Unternehmen – Licht ist längst mehr als Beleuchtung. Die Photonik steckt in fast allem, was wir täglich nutzen, und das Burgenland gehört zu den Orten, wo sie aktiv gestaltet wird; etwa in verschiedenen innovativen Unternehmen oder an der Hochschule Burgenland, mit der die Industriellenvereinigung Burgenland dazu auch in beständigem Austausch ist.
Beim Online-Meeting vor der Webcam, bei der Internetrecherche am Laptop, beim Tippen am Smartphone und unterwegs im eigenen Pkw – Photonik begleitet so gut wie jeden durch den Alltag; oft, ohne dass man sich dessen bewusst ist. Die Wissenschaft der Photonik (von „Photon“, Lichtteilchen) befasst sich mit der Erzeugung, Führung, Formung, Messung und Nutzung von Licht – gemeint ist dabei der gesamte Bereich von ultraviolettem über sichtbares Licht bis hin zu Infrarot.
Licht bzw. smarte Beleuchtung hat ein derart breites Anwendungsspektrum und damit ein solches Innovationspotenzial, dass Photonik in der Industriestrategie 2035 der österreichischen Bundesregierung als Schlüsseltechnologie geführt wird. Gerade auch für den Standort Burgenland interessant, denn: Hier befindet sich eine Reihe von Industrie- und Forschungsunternehmen, die sich intensiv mit dem Thema Photonik beschäftigen. Etwa im Automotive- Bereich wird sehr viel geforscht und entwickelt, rund um Frontscheinwerfer, Heckleuchten und Effizienz.
Smarte Scheinwerfer und schlaue Sensoren
Obwohl im Automotive-Bereich bereits sehr viel entwickelt wurde, ist die Reise noch lange nicht zu Ende, wie Dr. Albert Krammer, Leiter F&E Lichtsysteme beim Automotive-Unternehmen G² Industrial Engineering GmbH in Stegersbach, erklärt: „Ich sage es einmal so: Wir haben die High-End-Technologie beim Pkw gelernt, jetzt versuchen wir, sie in Motorräder und Traktoren einzubauen. Und gerade in diesen Nischen punktet man stark mit Innovation.“ Aktuell gehe die Forschung insgesamt stark in Richtung smarte Lösungen: „Gemeint ist damit Sensorik kombiniert mit künstlicher Intelligenz; Bilderkennung, Kameraerkennung, und das gemeinsam mit klassischen Lichtsystemen“, zeichnet Krammer einen aktuellen Entwicklungspfad vor.
Was macht nun die Photonik so zukunftsträchtig? Photonik ist eng mit der Quantentechnologieverzahnt; beide Bereiche nutzen Licht als Informationsträger, um beispielsweise neue Verschlüsselungsverfahren und Kommunikationsnetze, hochpräzise Sensorik, Messverfahren sowie effiziente Fertigungsverfahren zu entwickeln. „Sie eröffnen völlig neue Leistungsdimensionen und machen Anwendungen möglich, die mit bisherigen Technologien nicht erreichbar wären“, hebt die Industriestrategie das Innovationspotenzial der genannten Disziplinen hervor. Photonik kommt auch im Verkehrsbereich, in der Raumfahrt und im Bereich Defence & Security zum Einsatz. Und wer etwa an autonome Fahrzeuge oder Roboter denkt, kommt um
die Photonik-Technik LiDAR (Light Detection and Ranging), also optische Umfeld- und Abstandserfassung mittels Laserstrahlen, nicht herum.
Burgenland: Stark in der Forschung, Potenzial in der Praxis?
Im Burgenland beschäftigen sich neben der G² Industrial Engineering GmbH auch Unternehmen wie BECOM Electronics GmbH, Dr. Bohrer Lasertec GmbH, SWARCO Futurit Verkehrssignalsysteme GmbH, Hella Fahrzeugteile Austria GmbH, PhytonIQ GmbH, rmDATA GmbH, Lumitech Lighting Solution GmbH und Tridonic Gmbh & Co KG mit Photonik. Erforscht wird die Disziplin zudem bei JOANNEUM Research in Pinkafeld in der Forschungsgruppe Smart Connected Lighting und in der Hochschule Burgenland im Studiengang Angewandte Elektronik und Photonik. Es besteht damit ein lebendiges Ökosystem der Photonik-Forschung im Burgenland. „Der Standort ist gut gerüstet für die Erforschung von Photonik“, resümiert Albert Krammer. „Es ist viel Erfahrung vorhanden und auch die Nachwuchsförderung wird aktiv betrieben.“ Allerdings gebe es Potenzial beim Übergang von der Forschung zur wirtschaftlichen Anwendung – hier würden Fördergeldvergabe, Bürokratie und Finanzierungshürden eine Lücke zwischen
Forschung und Industrie begünstigen, so Krammer. Diese Herausforderung wird auch in der Industriestrategie thematisiert; setzt man sich doch zum Ziel, „das Potenzial für die wirtschaftliche Verwertung zu heben“. Dass bis 2029 rund 2,6 Milliarden Euro für Schlüsseltechnologien und Stärkefelder in den Bereichen Forschung, Technologie und Innovation bereitgestellt werden, schafft hierfür einen Vorteil. Doch auch andere Aspekte sind notwendig, um die Lücke zwischen Forschung und wirtschaftlicher Anwendung zu schließen: Auf der einen Seite sind FTI-Förderungen auf Landesebene gefragt; auf der anderen Seite braucht es stabile Rahmenbedingungen, um beispielsweise Startups und Spinoffs in diesem Bereich die Gründung zu ermöglichen.
Photonik als Innovationstreiber prägt zahlreiche Entwicklungen in Bereichen wie Digitalisierung, Energie, Gesundheit und Mobilität. Im Maussensor und Breitbandinternet steckt sie ebenso wie in Lasern und Quantencomputern. Man darf erwarten, dass diese Schlüsseltechnologie in nächster Zukunft noch einige Türen öffnet.

