Die Stimmung in der Industrie hellt sich auch im zweiten Jahresquartal langsam auf, die Werte des Konjunkturbarometers Burgenland drehen trotz anhaltender geopolitischer Krisen in eine positive Richtung.
Industriekonjunktur Burgenland: Aufwärtstrend hält an

Die Stimmung in burgenländischen Industrieunternehmen bessert sich: Die Trendumkehr begann bereits im Vorquartal, jetzt liegen die Werte bereits über der gesamtösterreichischen Einschätzung, die ebenfalls seit zwei Quartalen in eine positive Richtung dreht. Aktuell liegt die Einschätzung der Industriekonjunktur Burgenland etwa auf dem Niveau des zweiten Quartals 2023. Das ergab die Konjunkturumfrage für das erste Quartal 2026 der Industriellenvereinigung (IV) Burgenland und der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Burgenland.
Die derzeitige Geschäftslage im Burgenland wird ähnlich eingeschätzt wie im letzten Quartal 2025, mit leicht positiver Tendenz, und befindet sich nun etwa auf dem Niveau des Vorjahresquartals. Auch die Einschätzung der Auftragsbestände hat weiter angezogen, befindet sich aber – verglichen mit den letzten acht Jahren der Erhebung – auf nach wie vor eher niedrigem Niveau. Etwa die Hälfte der Befragten (52 Prozent) spricht von einem durchschnittlichen Auftragsbestand. Die Auslandsaufträge hingegen stagnieren knapp über der Nulllinie – der einzige Wert, der die positive Richtung aus dem Vorquartal nicht mitnehmen konnte.
Ihren Aufwärtstrend fortsetzen konnte allerdings die Bewertung des Beschäftigtenstands in drei Monaten. Mit 24 Prozent gehen fast fünfmal mehr von einer steigenden Mitarbeiterzahl aus als noch im Vorquartal (5 Prozent). 63 Prozent der befragten Unternehmen hingegen erwarten einen gleichbleibenden Beschäftigtenstand. Die aktuellen Werte wurden zuletzt im ersten Quartal 2023 übertroffen. Ähnlich entwickelte sich auch die Einschätzung der Verkaufspreise in drei Monaten: Hier rechnet der Großteil (89 Prozent) der Befragten mit stabilen Preisen. Von knapp einem Viertel (23 Prozent), das im Vorquartal noch mit fallenden Verkaufspreisen gerechnet hat, ist diese Zahl auf null gesunken.
Insbesondere die Einschätzung der Geschäftslage in sechs Monaten stellt sich derzeit optimistisch dar: 14 Prozent sehen eine gute Geschäftslage auf sie zukommen, 82 Prozent sind der Meinung, dass sie durchschnittlich bleibt. Lediglich 4 Prozent erwarten eine schlechte Geschäftslage in sechs Monaten. Damit befindet sich die Einschätzung auf dem höchsten Stand seit 2020.
„Erholung darf nicht mit ständig neuen Regulierungen erdrückt werden“
„Notierten unsere burgenländischen Werte die letzten beiden Quartale unter den gesamtösterreichischen, ist die Geschäftsstimmung im Burgenland nun besser als im Österreichschnitt. Wir sehen eine langsame Erholung, die seit zwei Quartalen anhält und diesen Schwung hoffentlich weiter mitnehmen kann“, meint IV-Burgenland Geschäftsführerin Aniko Benkö. Dafür sei es allerdings notwendig, diesen Aufwärtstrend nicht mit ständig neuen Regulierungen zu erdrücken und die Unternehmen mit weiterer Bürokratie zusätzlich zu belasten. „Alleine in den letzten Jahren ist die Belastung in den Unternehmen enorm gestiegen: Lieferkettenrichtlinie, Entwaldungsverordnung, Taxonomieverordnung und als nächstes die Entgelttransparenzrichtlinie – alles Dinge, die gut gemeint sind, aber den Unternehmen viele Ressourcen abverlangen. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten werden diese Ressourcen dringend bei Investitionen, Beschäftigung sowie Forschung und Entwicklung gebraucht“, unterstreicht Benkö.
Die stagnierenden Auslandsaufträge zeigten, dass die Unternehmen international unter Druck seien. Es sei daher entscheidend, die Rahmenbedingungen für das Wirtschaften zu verbessern. „Dass die Regierung die Lohnnebenkosten senken will, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings hebt sich ein Teil der positiven Wirkung für Unternehmen durch die angekündigte Gegenfinanzierung wieder auf“, merkt Benkö kritisch an. "Insgesamt steht der Aufschwung aufgrund der anhaltenden geopolitischen Krisen auf wackeligen Beinen. Wichtig ist daher, den Standort jetzt nachhaltig zu stärken."

Die Konjunkturumfrage des ersten Quartals 2026 im Detail:
Die Einschätzung der derzeitigen Geschäftslage bleibt stabil, mit positiver Tendenz:42 Prozent (45) der Industrieunternehmen bewerten die Geschäftslage als gut. 40 Prozent (28) sehen die aktuelle Geschäftslage als durchschnittlich und 18 Prozent (27) bewerten sie negativ.
Ganz ähnlich entwickelt sich auch die Bewertung des derzeitigen Auftragsbestandes: 30 Prozent (35) der befragten Unternehmen sprechen von guten Auftragsbeständen und 52 Prozent (33) sehen diese als durchschnittlich. 18 Prozent (32) der befragten Betriebe bewerten ihn als schlecht.
Der Saldo der derzeitigen Auslandsaufträge hingegen stagniert: 26 Prozent (39) beurteilen sie als gut. 49 Prozent (33) der teilnehmenden Unternehmen bewerten sie als durchschnittlich und 25 Prozent (36) geben an, dass es derzeit um die Auslandsaufträge schlecht steht.
Im Vergleich mit dem Vorquartal zeigt sich die Einschätzung der Verkaufspreise in 3 Monaten um einiges optimistischer: 11 Prozent (9) rechnen mit steigenden Verkaufspreisen, 89 Prozent (68) erwarten stabile Preise und 0 Prozent (23) der befragten Betriebe erwarten fallende Verkaufspreise.
Die Einschätzung des Beschäftigtenstandes in 3 Monaten folgt weiterhin einem Aufwärtstrend: Mit 24 Prozent gehen fast fünfmal mehr (5) von einer steigenden Mitarbeiteranzahl aus. 63 Prozent der befragten Unternehmen gehen (80) von einem gleichbleibenden Beschäftigtenstand aus. 13 Prozent (15) erwarten einen eher sinkenden Beschäftigtenstand.
Die Einschätzung der Geschäftslage in 6 Monaten dreht sich in eine positive Richtung: 14 Prozent (16) sehen eine gute Geschäftslage, 82 Prozent (52) sind der Meinung, dass sie durchschnittlich bleibt. Lediglich 4 Prozent (32) erwarten eine schlechte Geschäftslage in 6 Monaten.
Die Klammerwerte sind jeweils die Vergleichswerte des 4. Quartals 2025.
Zur Befragung: An der Konjunkturumfrage der IV-Burgenland und Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Burgenland nahmen 26 Unternehmen mit insgesamt 3.547 Beschäftigten teil. Bei der Umfrage werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. An den Prozentanteilen der Antworten wird der konjunktursensible „Saldo“ aus den positiven und negativen Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet. Das Konjunkturbarometer wird aus dem Mittelwert der aktuellen Geschäftslage und der erwarteten Geschäftslage in sechs Monaten bestimmt.

