Das Konjunkturbarometer Burgenland zeigt für das zweite Quartal 2026 ein positives Stimmungsbild: Viele Werte ziehen derzeit weiter an - der Ausblick hingegen bleibt verhalten.
Industriekonjunktur Burgenland: Stimmung hellt sich auf, Ausblick bleibt verhalten

Die Werte des zweiten Quartal 2026 setzen den positiven Konjunkturtrend der vorangegangenen Quartale fort: Aktuell zeigt das Konjunkturbarometer der burgenländischen Industrie den höchsten Wert seit dem vierten Quartal 2021 an und liegt damit deutlich über dem gesamtösterreichischen Niveau. Das ergab die Konjunkturumfrage für das zweite Quartal 2026 der Industriellenvereinigung (IV) Burgenland und der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Burgenland.
Die derzeitige Geschäftslage im Burgenland hat im zweiten Quartal 2026 einen steilen Anstieg hingelegt: Höher war deren Einschätzung zuletzt im vierten Quartal 2022. Knapp zwei Drittel der befragten Industrieunternehmen (61 Prozent) bewerten die derzeitige Geschäftslage als gut. Ebenso hat die Einschätzung der Auftragsbestände weiter angezogen, von ihren Höchstwerten ist sie aber nach wie vor weit entfernt. Auch der Saldo der aktuellen Auslandsaufträgehat sich erholt und befindet sich nun deutlich über der Nulllinie, kann aber nicht an frühere Erfolge vor der Coronapandemie und von 2021 bis 2023 anschließen.
So positiv sich einzelne Werte des zweiten Quartals 2026 darstellen, so pessimistisch fallen die Erwartungen für die kommenden Herbst- und Wintermonate aus: Eher negativ gestaltet sich etwa die Einschätzung der Verkaufspreise in drei Monaten und des Beschäftigtenstandes in drei Monaten. Mit 12 Prozent hat sich der Wert derjenigen, die von einer steigenden Mitarbeiteranzahl ausgehen, halbiert, verglichen mit den Werten des Vorquartals (24 Prozent). Die Einschätzung der Geschäftslage in sechs Monaten sinkt wieder unter die Nulllinie: Rund zwei Drittel (67 Prozent) sind der Meinung, dass diese lediglich durchschnittlich bleibt. 15 Prozent erwarten eine gute Geschäftslage in sechs Monaten und 18 Prozent sind der Meinung, dass sich diese schlecht entwickeln wird.
Mut zu strukturellen Reformen
„Die aktuellen positiven Werte sind sehr erfreulich“, sagt IV Burgenland Präsident Christian Strasser. „Allerdings bleibt abzuwarten, ob der Aufwärtstrend tatsächlich anhält und sich die Werte des Konjunkturbarometers längerfristig in eine positive Richtung bewegen. Derzeit gestaltet sich der Ausblick eher verhalten“, gibt Strasser zu bedenken. „Um nachhaltigen Aufschwung zu generieren, müssen notwendige Maßnahmen getroffen werden. Österreich hat mit rund 44 Prozent eine der höchsten Abgabenquoten innerhalb der EU. Wir haben ein Ausgaben-, und kein Einnahmenproblem." Es brauche Mut in der Politik, um überfällige strukturelle Reformen insbesondere im Gesundheits- und Pensionssystem umzusetzen. Auch die Inflation sei in Österreich nach wie vor höher als in zahlreichen anderen EU-Staaten, was ein klarer Wettbewerbsnachteil für die heimischen Unternehmen sei. „Hohe Energie-, Personal- und Bürokratiekosten machen den Industrieunternehmen zu schaffen. Es gilt jetzt langfristig zu denken und notwendige Reformen in Österreich anzugehen, damit auch kommende Generationen auf unserem Wohlstand aufbauen können.“

Die Konjunkturumfrage des zweiten Quartals 2026 im Detail:
Die Einschätzung der derzeitigen Geschäftslage hat stark angezogen:61 Prozent (42) der Industrieunternehmen bewerten die Geschäftslage als gut. 26 Prozent (40) sehen die aktuelle Geschäftslage als durchschnittlich und 13 Prozent (18) bewerten sie negativ.
Ebenso in eine positive Richtung entwickelt sich auch die Bewertung des derzeitigen Auftragsbestandes: 35 Prozent (30) der befragten Unternehmen sprechen von guten Auftragsbeständen und 51 Prozent (52) sehen diese als durchschnittlich. 14 Prozent (18) der befragten Betriebe bewerten ihn als schlecht.
Auch der Saldo der derzeitigen Auslandsaufträge hat sich erholt: 37 Prozent (26) beurteilen sie als gut. 38 Prozent (49) der teilnehmenden Unternehmen bewerten sie als durchschnittlich und 25 Prozent (25) geben an, dass es derzeit um die Auslandsaufträge schlecht steht.
Die Einschätzung der Verkaufspreise in 3 Monaten hingegen gestaltet sich in diesem Quartal weit weniger optimistisch: 16 Prozent (11) rechnen mit steigenden Verkaufspreisen, 63 Prozent (89) erwarten stabile Preise und 21 Prozent (0) der befragten Betriebe erwarten fallende Verkaufspreise.
Die Einschätzung des Beschäftigtenstandes in 3 Monaten stagniert, mit negativer Tendenz: Mit 12 Prozent hat sich der Wert derjenigen, die von einer steigenden Mitarbeiteranzahl ausgehen, halbiert (24). 83 Prozent der befragten Unternehmen gehen (63) von einem gleichbleibenden Beschäftigtenstand aus. 5 Prozent (13) erwarten einen eher sinkenden Beschäftigtenstand.
Die Einschätzung der Geschäftslage in 6 Monaten sinkt wieder unter die Nulllinie: 15 Prozent (14) sehen eine gute Geschäftslage, 67 Prozent (82) sind der Meinung, dass sie durchschnittlich bleibt. 18 Prozent (4) erwarten eine schlechte Geschäftslage in 6 Monaten.
Die Klammerwerte sind jeweils die Vergleichswerte des 1. Quartals 2026.
Zur Befragung: An der Konjunkturumfrage der IV-Burgenland und Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Burgenland nahmen 32 Unternehmen mit insgesamt 4.203 Beschäftigten teil. Bei der Umfrage werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. An den Prozentanteilen der Antworten wird der konjunktursensible „Saldo“ aus den positiven und negativen Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet. Das Konjunkturbarometer wird aus dem Mittelwert der aktuellen Geschäftslage und der erwarteten Geschäftslage in sechs Monaten bestimmt.


