Fünf Prozent Wirtschaftswachstum, Industriemodernisierung, ambitionierte Nachhaltigkeitsziele, eine junge Bevölkerung und der kulturelle Glanz der ehemaligen Seidenstraße übertrafen die Erwartungen der Teilnehmer der IV-Burgenland-Studienreise.
Die 450.000 km2 große Präsidialrepublik Usbekistan ist zum großen Teil von Wüsten geprägt und umgeben von Binnenländern. 37 Millionen Menschen leben hier. Die Bevölkerung wächst um zwei Prozent oder eine Million Babys jährlich. 65 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 35 Jahre und konsumfreudig. Bis jetzt hängt die Versorgung vieler Familien noch von den Überweisungen der Usbeken ab, die im Ausland als Gastarbeiter tätig sind. Der Durchschnittsverdienst beträgt derzeit ca. 500 US-Dollar.
Ein Treffen mit Vertretern der Migrationsagentur und der Agentur für Weiterbildung zeigte uns daher die Bemühungen auf, junge Usbeken nach Bedarf in beruflichen wie sprachlichen Fähigkeiten zu schulen, um ihnen eine gute Grundlage für den Zielarbeitsmarkt mitzugeben.
IV-Burgenland-Präsident Christian Strasser zeigt sich „beeindruckt von dieser sehr aufgeschlossenen Arbeitskräftestrategie mit einer guten Ausrichtung auf den Arbeitskräftebedarf der Zielländer“. So sind bereits über 1700 usbekische Pflegerinnen in Deutschland tätig. Das jüngste Mobilitäts- und Migrationsabkommen mit Österreich ebnete den legistischen Weg dahin auch bei uns.
„Tax Free“-Land
Der usbekische Staatspräsident Shavkat Mirziyoyev setzt seit seinem Amtsantritt 2016 auf wirtschaftliche und politische Öffnung. Eine zunehmende Privatisierung von Staatsbetrieben ließ Außenhandel und Direktinvestitionen stark steigen. Usbekistan kann mit den höchsten Wirtschaftswachstumsraten in Zentralasien (von bis zu fünf Prozent) aufwarten. Die Industrie trägt 25 Prozent zum BIP bei.
Beim Besuch der Agentur für Investments erhielten die 19 Teilnehmer der Studienreise Antworten auf die Frage, warum sie gerade in Usbekistan investieren sollten. Als attraktivste Benefits erscheinen die weitreichenden steuerfreien Anreize für Grundstücke, insbesondere in sogenannten Freien Wirtschaftszonen (SEZ), für Technologieprojekte, KI- und Rechenzentren sowie für Krypto-Mining. Spezielle Industriezonen in allen Regionen mit Logistik- und Transportwegen sollen ein Hub für Europa und China werden. Die Hauptbranchen für Investitionen sind IT, Infrastruktur, Energie, Wassermanagement, Pharmazeutika, Textil sowie Früchte und Gemüse. Russische und chinesische Investitionen sind sehr präsent, aber: „Wir sind für alle Partner offen“, warb der Vertreter der Investmentagentur um Unternehmer aus aller Welt.
Speicheranlage XXXL
Der Strombedarf steigt, bestehende Kapazitäten sind am Limit. Um eine Energiekrise abzuwenden, soll sich Usbekistan bis 2030 zu 40 Prozent mit erneuerbarer Energie versorgen. Forciert werden Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft. Aber auch der erste Reaktor des Kernkraftwerks Jizzax in Zusammenarbeit mit dem russischen Staatskonzern Rosatom soll 2029 in Betrieb gehen. Daneben gibt es Kohle und Gas.
Wir besuchten den Photovoltaikpark ACWA Power Park in der Nähe von Taschkent. ACWA ist eine saudi-arabische Aktiengesellschaft und in 15 Ländern der Welt im Einsatz, um Lösungen für erneuerbare Energien und Wasser zu entwickeln.
In einem BESS (Battery Energy Storage System) wurden hier innerhalb von knapp zwölf Monaten Batteriespeicher mit einer Kapazität von 500 MWh errichtet. Das Investment betrug 550 Millionen US-Dollar, der Vertrag läuft 25 Jahre. Von den 600 Mitarbeitern kommen 40 Prozent aus der Umgebung, der Rest aus China, wie auch fast alle Komponenten. Der weitere Ausbau läuft. Allein schon die kurze Bauzeit ließ uns staunen!
Frauenboxkampf und ein 47-Tonnen-Luster aus Österreich
Nach dreijähriger Bauzeit öffnete die Olympische Stadt in Taschkent im August 2025 ihre Pforten. Um 300 Millionen Dollar wurden auf einer Fläche von 100 Hektar Anlagen für verschiedene Sportarten der Asian Olympic Games und der Paralympics Games 2029 erbaut.
Im „Größten Museum der islamischen Zivilisation“ in Taschkent sind Besucher nicht nur Beobachter – sie sehen, hören und fühlen die Ausstellung. Im Herzen dieses beeindruckenden Gebäudes befindet sich die Koranhalle; und in dieser hängt ein 47 Tonnen schwerer Kristallluster, bestückt mit unendlich vielen Swarovski-Steinen und einem unglaublichen Lichtdesign der niederösterreichischen Firma Kny Design.
Die Städte an der Seidenstraße
Das 2000 Jahre alte und 3,2 Millionen Einwohner zählende Taschkent war als reiche Stadt oft Streitobjekt rivalisierender Herrscher. 1966 wurde Taschkent von einem gewaltigen Erdbeben zerstört und danach von russischen Bauarbeitern in Rekordzeit wieder aufgebaut, großteils mit sowjetischen Plattenbauten.
Wir fuhren mit einer der vier U-Bahn-Linien und danach mit dem Lift auf den höchsten Fernsehturm Zentralasiens. Der Rundblick über Taschkent war umwerfend! Der 375 Meter hohe Fernsehturm wurde – wie so vieles in Taschkent – von einem russischen Architekten erbaut. Natürlich durfte auch ein Basar samt Brotbäckerei nicht fehlen; ein herrliches, buntes und reiches, aber auch modernes Getümmel.
Von „Tausendundeine Nacht“ zum wirtschaftlichen Aufschwung
Unsere Reise ging mit dem Schnellzug – dieser erreicht durchaus Geschwindigkeiten von 200 km/h – weiter nach Buchara. Am Bahnhof empfingen uns sportliche 40 Grad! Die anschließende Führung durch die Altstadt belohnte uns für das heroische Ertragen der Hitze. Nach Besichtigung der ersten Medrese, also Koranschule, besuchten wir die Zitadelle Ark und sahen beim Schlendern Moscheen, Mausoleen, Minarette, Märkte und Wohnhäuser aus elf Jahrhunderten.
Buchara ist bekannt für seine Gold- und Seidensticker, Miniaturmaler und Keramiker. Großen Eindruck hinterließ der Besuch einer Seidenteppichmanufaktur. Ja, da könnte man die Kreditkarte schon glühen lassen!
In Samarkand wiederum vermittelten uns der Registan-Platz, die Bibichonim-Moschee, das Mausoleum Gori Amir und die Gräberstadt Shah-i-Zinda (ein Traum in Blau!) orientalischen Charme.
Samarkands Herrscher Ulugh Beg war auch Wissenschaftler und baute ein einzigartiges Observatorium. So konnten u. a. Planetenbewegungen mit einer sensationellen Genauigkeit bestimmt werden. „Mit Respekt und großer Faszination habe ich erlebt, dass jahrhundertealtes Wissen mit einer Aufbruchsstimmung und einem starken Willen zur Gestaltung ideal ergänzt wird“, zeigte sich Markus Bohrer vom Observatorium begeistert. Heute hat Samarkand vier Universitäten und Hochschulen; die Maschinen-, Auto- und Textilindustrie sowie ein Clustersystem für die Baumwollindustrie sorgen neben dem Tourismus für wirtschaftlichen Aufschwung.
Baustoffe für die Urbanisierung
Angesiedelt hat sich hier im Vorjahr darum auch das niederösterreichische Unternehmen Lasselsberger/Cemix. Intakte Absatzmöglichkeiten aufgrund von Infrastrukturprojekten, Urbanisierung und Bevölkerungswachstum mit einem stark steigenden Bedarf an besseren Baustoffen sowie gut erreichbare Rohstoffe waren die Entscheidungsgrundlagen für den Standort. Auf 14 Hektar entstand eine hochmoderne Anlage samt Labor für Baustoffe und Dämmsysteme.
Fazit der IV-Reisenden
„Ich durfte ein aufstrebendes Land erleben, das Lust auf mehr macht! Österreich sollte von Usbekistan lernen, wieder optimistisch in die Zukunft zu schauen“, fasst Markus Bohrer seine Eindrücke zusammen.
Auch für Christian Strasser hat Usbekistan die Voraussetzungen für einen neuen, attraktiven Markt: „Usbekistan ist auf dem Weg zu einer modernen Gesellschaft. Eine aufgeschlossene Region bietet eine gute Basis für Unternehmen, ihr Business zu entfalten und weiterzuentwickeln.“ René Buchart sieht den usbekischen Markt „als sehr relevant für Österreich, da eine junge, wachsende Wirtschaft einen hohen Bedarf an Investitionen und Infrastruktur hat und noch relativ unerschlossen für westliche Firmen ist“.
Ein Land öffnet sich der Welt – wir sollten bei den Ersten dabei sein!
Ein Bericht von Ingrid Puschautz-Meidl.


